✩ 7 ✩ Triebwerk7

TRIEBWERK7 | Bild: Daniel Jarosch

Erzählt ein bisschen von euch. Wer seid ihr, was macht euren Theaterverein aus?

Wir sind Michaela Senn, Tamara Burghart, Carmen Sulzenbacher, Martin Fritz und bald wird uns auch Philipp Rudig verstärken. Gemeinsam sind wir TRIEBWERK7 – ein Innsbrucker Verein für Performance, Theater & mehr. Der Verein feiert heuer sein 10-jähriges Jubiläum, gegründet wurde er im November 2010 unter dem Namen tON/NOt – Verein für interdisziplinäre Theaterformen von Michaela Senn und Katrin Jud. 2020 haben wir uns personell verändert und gleichzeitig umbenannt zu Triebwerk7: Der neue Name steht dafür, was wir erreichen wollen, nämlich Dinge in Bewegung zu bringen, Energie zu erzeugen.

Pro Jahr bringen wir meist zwei künstlerische Projekte in den Bereichen Performance und Theater auf die Bühne. Unsere künstlerische Vision dahinter: Wir wollen in möglichst vielfältiger Weise Theater weiterdenken, innovativ bleiben und Vernetzung zu anderen Kunstformen und Künstler*innen herstellen. Es geht uns darum, formal und inhaltlich immer wieder neu auszuloten, in Frage zu stellen und die Grenzen dessen zu überwinden, was Theater und Performance überhaupt heißt und was in diesem Rahmen alles möglich ist. Ob das heißt, ein Stück neu zu entwickeln, einen neuen Spielort auszuprobieren oder ein bereits bestehendes Stück neu zu inszenieren und in unsere Gegenwart und unser Lebensumfeld zu versetzen, hängt dann immer vom jeweiligen Projekt ab. Wir lieben da gerade die Abwechslung. Was die verschiedenen Ansätze eint ist eine ganz klare queer-feministische Positionierung.

Wie hat sich eure Arbeit durch das Pandemiejahr 2020 gewandelt und wie ging es euch dabei?

Der heurige Hauptdarsteller COVID-19 hat unsere Pläne ziemlich durcheinandergewirbelt. Um Kulturförderungen zu erhalten muss ja frühzeitig dafür angesucht werden, d.h. unsere Projekte für heuer mit Spielterminen, Räumlichkeiten, Besetzungen und Budgetierung hatten wir bereits letztes Jahr geplant. Daran hängen dann natürlich auch alle beteiligten Kulturschaffenden und Spielorte, die ihr eigenes Jahr ja auch im Voraus planen – Projekte spontan zu verschieben ist deshalb sehr schwierig. 

Fürs Frühjahr 2020 hatten wir das Theaterstück „Nur Kinder, Küche, Kirche?“ von Franca Rame und Dario Fo eingeplant, das wir auf den Herbst verschieben mussten. Die Mehrarbeit war dabei groß und die immer vorhandene Unsicherheit sehr lähmend („Kommen neue Verordnungen mit neuen Sicherheitsauflagen?“, „Dürfen wir überhaupt spielen?“). Die beteiligten Künstlerinnen waren im Frühjahr arbeitslos. Die Terminkollisionen der Mitwirkenden und das ständige Anpassen an neue Auflagen brachte unser Team an seine Grenzen. Nichtsdestotrotz konnten wir das Stück – aufgrund der Auflagen mit nur 20 Zuschauer*innen pro Vorstellung – erfolgreich in der Ferrarischule Innsbruck umsetzen. Anders war dabei auch, dass für das Publikum das ganze Drumherum leider wegfiel. Die Zuschauer*innen konnten einen sehr intensiven Theaterabend genießen, wobei der Genuss aber nur auf die Vorstellungszeit, ohne Getränke und ohne Austausch danach beschränkt war. Dies ist sehr untypisch für so einen Abend  – denn gerade hier sollten Diskussion und Gesellschaft Raum haben. Es gab dafür aufgrund der Sicherheitsauflagen aber leider keine Möglichkeiten. Trotzdem und trotz aller Ängste und Unsicherheiten wollten so viele Leute dieses Projekt sehen, dass unsere Wartelisten nicht mehr aufhörten anzuwachsen, weshalb wir auch eine Wiederaufnahme im Frühling 2021 planen. 

Die ursprünglich im Herbst geplante Produktion konnte aus Sicherheitsgründen nicht umgesetzt werden. In kürzester Zeit hat das Projekt-Team also beschlossen, stattdessen eine ganz neu startende Stückentwicklung über die momentane Situation auf die Beine zu stellen. So direkt auf aktuelle Entwicklungen künstlerisch reagieren zu können, hat auch was.

All das versuchen wir also irgendwie auch als positiv zu werten, obwohl es sich leider nicht immer ganz so anfühlt, da Angst und Ungewissheit ständige Begleiterinnen sind. Aber wenigstens sind wir selbst alle bislang gesund geblieben. Zur Gefühlslage können wir sonst nur noch sagen, dass wir alle auf eine harte Probe gestellt werden, im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Situation verlangt einem Team sehr viel ab. Entscheidungen treffen ohne Erfahrungswerte, dem Druck standhalten, Existenzängste, verlorene, schlecht nutzbare Zeit und Arbeits-Mehraufwand, finanzielle Verluste, Versagensängste, positive Testergebnisse, Schuldgefühle, Haltungs- und Meinungsverschiedenheiten, Verantwortung und Enttäuschungen blieben in diesem Jahr nicht aus. Aber ans Aufgeben denken wir nicht. Im Gegenteil, wir kämpfen weiter mit der Hoffnung, dass wir alle diese Krise gut überstehen können.

Bild: Carmen Sulzenbacher

An welchen Projekten arbeitet ihr gerade – mit welchen Ideen startet ihr ins Jahr 2021?

Unter dem Titel „No Drama? Erinnerungen an eine Zukunft entsteht gerade eine sehr schöne Aufbereitung der durch Covid-19 ausgelösten Ausnahmesituation in Zusammenarbeit mit dem Theater praesent. Darin wollen wir der Reflexion über die aktuelle Situation – dem ständigen Planen, Umplanen, dem Verwerfen oder noch allgemeiner der Unsicherheit, der Verunsicherung, dem Umbruch – Raum geben und über die herrschende Orientierungs- und Ratlosigkeit sinnieren. Es geht um Sehnsüchte, um das ständige In-der-Schwebe-Bleiben(-Müssen), um die Unplanbarkeit von allem, um den „ganz normalen Wahnsinn“ eben.  Die Premiere war ursprünglich für den 19. Dezember angesetzt, auch jetzt, wo wir an den Texten schreiben und den Abend in Szene setzen ist noch nicht klar, wann sie dann tatsächlich stattfinden kann.

Unsere geplanten Projekte fürs nächste Jahr sind zum einen die Wiederaufnahme von Franca Rames und Dario Fos „Nur Kinder, Küche, Kirche?“ im Frühling. Im Herbst soll es eine Stückentwicklung rund ums Essen geben, momentaner Arbeitstitel ist „All You Can Eat“. Wie der Name schon sagt, widmen wir uns der gesamten Thematik rund um Ernährung, Nahrungsmitteln und allem, was damit zusammenhängt. Essen ist ja sehr privat und persönlich und steckt gleichzeitig immer in gesellschaftlichen Zusammenhängen: Wir alle müssen etwas essen, das wir meistens nicht selbst hergestellt haben. Indem wir Essen so als gesellschaftliches Problem betrachten, hoffen wir auch Wege zu Strategien zu finden, Essen trotz allem (wieder) freud- und lustvoll zu machen.

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