Es hätte ein Leuchtturmprojekt für eine partizipative Begegnungsstätte, eine überregionale Kulturschmiede und die Belebung von Leerstand und Dorfkultur sein können: Aber das Projekt „Alte Schule“ in Neustift ist Ende letztes Jahres mit der durch die Gemeinde verordneten Räumung bis auf Weiteres gescheitert. Der Verein eigentlich kultur, der federführend an der Belebung der Räumlichkeiten beteiligt war, lässt sich auch ein Dreivierteljahr nach der Schließung nicht unterkriegen. Welche Ideen dem Verein für einen multidisziplinären Veranstaltungs- und Begegnungsort vorschweben und wie es für ihn weitergeht, hat das komplex im Rahmen von „kultur:los“ mit Obmann Udo Frizzi besprochen.
*Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Reihe „kultur:los“ über Bedingungen, Chancen und Herausforderung der Kulturarbeit in den ländlichen Tiroler Regionen. Gefördert wird die Reihe von kulturimpulstirol.

Mitten im Dorfkern von Neustift, zwischen Hotels und Gastwirten, steht die ehemalige Volks- und Hauptschule. In den Fenstern der Klassenräume sieht man die umgedrehten Sessel auf den Pulten stehen, fast so, als würden die Schülerinnen und Schüler morgen zurückkehren und die Schule mit Leben füllen. Davon, dass hier schon länger niemand mehr war, zeugen die Grashalme, die sich ihren Weg durch die Asphaltritzen auf dem Parkplatz gebahnt haben, die teilweise abgeblätterte Fassade, der verbarrikadierte Innenhof, der nun mit Vorhängeschloss gesichert ist – und der Zettel, der an die Eingangstür geheftet ist, der die geneigten Leser:innen darüber informiert, dass die Schule geschlossen und für niemanden zugänglich ist. Udo Frizzi steht vor dem Eingang, die Hände in den Hosentaschen, mit nachdenklichem Blick und einem leichten Kopfschütteln. „Jetzt lassen sie es komplett verkommen.“ Er sei schon länger nicht mehr hier gewesen. Eigentlich wollte er mir den bunten Innenhof zeigen, aber der ist jetzt nicht mehr zugänglich. Also fahren wir wieder. Die Graffitis auf der Hinterseite des Gebäudes lassen fröhlichere Zeiten erahnen – entstanden im Zuge eines Workshops mit Graffitikünstler Daniel Pfurtscheller. Neben der Schule spazieren vereinzelte Passant:innen. Auf der Hotelterrasse sitzen Gäste und schlürfen Eiskaffee. Ein Paar, in Bademäntel gehüllt, kommt offenbar gerade aus dem Spa-Bereich. Dass hier mitten im Dorf ein so großes Gebäude leer steht, scheint niemanden zu kümmern.
Neustift, das Tor zum Stubaier Gletscher
Neustift ist die hinterste Gemeinde des Stubaitals und weist nach Sölden und Matrei in Osttirol das flächenmäßig drittgrößte Gemeindegebiet in Tirol auf. Einen Großteil der Fläche nimmt der Stubaier Gletscher ein, der seinerseits aus 100 Gletschern besteht. Nur 5 dieser Gletscher werden im Skigebiet erschlossen, 95 stehen unter Naturschutz. Die Strecke vom äußersten Ortsteil Kampl bis zum Talschluss am Gletscher beträgt knapp 21 Kilometer. Entlang des Alpenhauptkamms gelegen, ist Neustift Heimat von sage und schreibe 109 Dreitausendern. Höchster Punkt ist mit 3.505 Metern das an der Staatsgrenze zu Italien gelegene Zuckerhütl. Durch die Gletscherwelt ist Neustift auch die (Wahl-)Heimat zahlreicher bekannter Alpinisten wie Franz Senn, der Gründer des Deutschen Alpenvereins, oder Seilbahnpionier Heinrich Klier. Österreichs größtes Gletscherskigebiet macht den Ort zu einer beliebten Touristendestination. Mit über 1 Million Übernachtungen pro Jahr ist die Gemeinde die fünftstärkste Tourismusgemeinde in Tirol. Verewigt ist das Stubaital als ultimative Skidestination auch in Wolfgang Ambros’ Austropop-Klassiker „Schifoan“.

Projekt „Alte Schule – neues Leben“
Mit der Eröffnung des neuen Bildungscampus Neustift im Ortsteil Kampl im Jahr 2019 wurde das ehemalige Schulgebäude obsolet. Initiiert durch Künstler Robert Pfurtscheller und nach einstimmigem Beschluss im Gemeinderat wurde die Bevölkerung im August 2021 dazu aufgerufen, Ideen für die Nachnutzung der alten Schule einzubringen. Als Projektkoordinator wurde Geograf Michael Beismann mit seinem Innsbrucker Regionalentwicklungsbüro regionalSynergie einberufen. In der Projektbeschreibung wird die Idee eines Kulturzentrums gezeichnet, einem „Ort von Ideen, Kommunikation, Wissensaustausch und vor allem für Projekte, Aktivitäten und Leben“. Das neunmonatige Projekt wurde von der Gemeinde Neustift unterstützt sowie von der Dorferneuerung (Land Tirol). Ideen aus der Bevölkerung umfassten von künstlerischen, kulturellen, sozialen oder handwerklichen Projektvorschlägen über Bildungsthemen und gewerbliche Aktivitäten bis hin zu Angeboten für Kinder und Jugendliche. Mit einem Startworkshop im Oktober 2021 wurde die Ideen- in die Umsetzungsphase eingeleitet.
In der Folge ließen sich Vereine, Künstler:innen, Kulturschaffende, Unternehmer:innen, Start-Ups und viele weitere Interessierte in den Räumlichkeiten der alten Schule nieder. Darunter befand sich auch der neu gegründete Verein eigentlich kultur unter der Leitung von Obfrau und Musikerin Brigitte Hochrainer sowie Psychotherapeut Claudio Canazei, der sich mit seinem „Büro für Lebensfreude“ in der alten Schule niederließ. Der Verein, zu dessen Gründungsmitgliedern auch Robert Pfurtscheller sowie Architekt Florian Schüller zählten, wurde als Plattform für Kunst- und Kulturschaffende gegründet, der zur Vernetzung und zur Schaffung multidisziplinärer Synergien dienen sollte. Die angebotenen Räumlichkeiten wollte der Verein bestmöglich nutzen und startete gleich in die Umsetzung: mit Ausstellungen, Vorträgen, Filmscreenings, Theater, Musikvorführungen und dem Urban Art Festival, bei dem das Gebäude mit Graffitis verziert wurde.
Überhaupt blühte 2022 das Leben in der alten Schule so richtig auf: Gemeinsam mit dem Verein Coworkation Alps wurden zehn fixe und 35 mobile Co-Working-Stationen in der alten Schule eingerichtet – die nicht nur für Co-Working, sondern auch Tourist:innen im Rahmen einer Workation zur Verfügung gestellt werden sollten. Olga Inschewatowa und Ingmar Zink richteten mit StubaiCraft eine Craftbier-Brauerei in der ehemaligen Küche der alten Schule ein.
„Es entstanden Fotostudios, Ateliers, Beratungsräume, Yogaräume, Proberäume. Alle haben mit eigener Tatkraft und aus eigener Tasche die Räumlichkeiten her- und eingerichtet. Da sind ganz viel Herzblut und viele Kosten hineingeflossen“,
fasst Udo Frizzi die Aktivitäten der Vereinsmitglieder und anderen ansässigen Teilhaber zusammen. Gemeinsam wurden zahlreiche Veranstaltungen organisiert, die von der Bevölkerung sehr gut angenommen wurden. Es war ein buntes Treiben, jede:r konnte sich einbringen, seine Ideen verwirklichen und Teil einer großen Gemeinschaft sein.

Kulturarbeit im Leerstand
Leerstand ist immer wieder Thema: Sei es, wenn um Wohnungsknappheit geht, oder um leistbaren Wohnraum, um Verbauung oder Immobilienspekulation. Eine gewisse Leerstandsquote muss als Mobilitätsreserve gegeben sein, das sind bis zu 3 Prozent. Laut einer Greenpeace-Erhebung von 2024 stehen in Österreich 230.000 Wohnungen leer. Auch öffentliche Gebäude sind von Leerstand betroffen. Dann ist der:die Eigentümer:in – z.B. die Gemeinde – gefragt: Soll das Objekt abgerissen werden, um Neuem Platz zu machen – oder soll eine Nachnutzung beschlossen werden? Gerade für künstlerische und kulturelle Zwecke bieten sich Leerstände im öffentlichen Bereich an. Im Vergleich zum leerstehenden, verfallenden Gebäude scheinen Subventionen als Opportunitätskosten für die fortgesetzte Nutzung und kulturelle Bereicherung idealerweise der gesamten Region als vergleichsweise gering. Der Weg bis zur erfolgreichen gemeinschaftlichen Nutzung ist oft von Hürden geprägt, die nicht zuletzt bürokratischer Natur sind. In einem solchen Fall muss aber jedenfalls der politische Wille gegeben sein, sonst sind diese Projekte zum Scheitern verurteilt.
Was öffentliche Leerstände noch dazu attraktiv für die Kulturarbeit machen: Ein öffentlicher Ort mit vormals anderem Verwendungszweck bietet der Kreativität einen großen Spielraum, wie Patrick Kwasi für IG Kultur schreibt: „Ein Veranstaltungsort, der als solcher gebaut wurde, ist viel weniger interessant als eine Umnutzung, die Kreativität räumlich verkörpert und auf eine Geschichte verweist, zu der die lokale Bevölkerung bereits eine emotionale Beziehung hat.“ Leseempfehlung für die Reportage zur Kulturarbeit im Leerstand (Link zum Beitrag in den Quellen).

Neuanfang und Umbrüche für eigentlich kultur
In der zweiten Jahreshälfte 2022 kam es zu neuen Entwicklungen: Es wurde diskutiert, ob die alte Schule in Neustift als Ausweichlager für die Absamer Polizeischule während umfassender Umbauarbeiten zur Verfügung gestellt werden sollte. Dass eine Nutzung durch die Projekte im Rahmen von „Alte Schule – neues Leben“ und das Quartier für die Polizeiakademie zugleich in dem großen Gebäude erfolgen könnte, davon war die Gemeinde anfangs noch überzeugt und schlug eine Aufteilung der Räumlichkeiten vor. Mit der herannahenden kalten Jahreszeit kam aber noch zusätzliches Kopfzerbrechen auf die Gemeinde zu: Heizkosten, die mit bis zu 80.000 Euro pro Jahr beziffert wurden.
Der Verein eigentlich kultur wurde sogleich aktiv: Das Team stellte einen umfassenden Projektantrag mit ihrer Vision der Nutzungsmöglichkeiten für die alte Schule zusammen und präsentierte diesen in der Gemeinderatssitzung im Oktober 2022. Der Antrag wurde mit 15 zu 2 Stimmen angenommen. Die Genehmigung umfasste die kommenden drei Jahre und einen Förderungszuschuss von 50.000 Euro jährlich. Das Projekt war gerettet – oder so schien es zumindest. Anfang 2023 wurde klar, dass die Polizeischule eine deutlich größere Kapazität in der alten Schule anmieten würde – sodass nur noch ca. ein Viertel der Räumlichkeiten für den Verein eigentlich kultur und die weiteren Akteur:innen zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Folge: Enttäuschung und Desillusion unter den Kulturschaffenden, die ihre Projekte und Visionen dadurch in Gefahr sahen. Der Gemeinderat verwies weiterhin darauf, dass die Räumlichkeiten nach wie vor kostenlos genutzt werden könnten und es keinesfalls ein Ende des Projektes bedeuten würde.
Während einige der alten Schule den Rücken zukehrten, blieb ein Teil in der alten Schule und sorgte weiterhin aktiv für Belebung. In diese Zeit fällt auch die Übernahme der Obmannschaft des Vereins durch Frizzi, nachdem sich die vormalige Obfrau Brigitte Hochrainer aufgrund der jüngsten Entwicklungen zurückgezogen hatte. Im Juli 2023 fanden die „Kunsttage 2023“ in Kooperation mit dem Kulturnetz Tirol statt – ein rauschendes Fest und voller Erfolg, wie Udo Frizzi beschreibt. Das viertägige Festival bot Livemusik, Linedance, Körperbemalung, Ytongbearbeitung, eine Live-Graffitiperformance und den Rahmen für geselliges Beisammensein. Nach dem Abschlussfest schwebten Udo Frizzi schon Pläne vor, wie sie das Festival 2024 noch größer aufziehen würden. Der Verein bastelte bereits an einem Jahresprogramm für 2024. „Wir haben mit 2 bis 3 Veranstaltungen pro Monat geplant – von Workhops über Ausstellungen, Konzerte, Aktivitäten für Kinder, Kreativitätstraining bis hin zu Yoga wäre da alles dabei gewesen. Wir haben das der Gemeinde vorgelegt, aber das ist dann versumpft mit der ganzen Aktion, als sie uns dann kurz vor Weihnachten rausgeworfen haben“, erinnert er sich bitter.

„Alternative Kunst und Kultur haben im Dorf keinen Platz“
Sein Ende fand das anfangs so umschwärmte und euphorisch begrüßte Projekt „Alte Schule – neues Leben“ also Mitte Dezember 2023 in einem nüchternen Schreiben der Gemeinde an den Vereinsobmann mit der Weisung, dass das Gebäude binnen 14 Tagen zu räumen seien. Im Verein herrschte Fassungslosigkeit. Niemand konnte die Entscheidung nachvollziehen, nachdem die Weiternutzung im Jahr zuvor um 3 Jahre verlängert wurde. So mussten die sämtlichen Vereinsmitglieder und anderen Parteien die Räumlichkeiten verlassen. „Wir konnten noch eine Verlängerung der Frist aushandeln. Aber mit der Gemeinde war dann nicht mehr zu reden.“
Die Gemeinde selbst begründete den Entschluss mit „Gefahr im Verzug“. Das Gebäude sei baufällig, die Dachschäden machen eine Nutzung nicht mehr tragbar. Auch die Kosten wurden als Argument genannt. Heiz- und Stromkosten für das Gebäude stemmte die Gemeinde. Mit der Absage der Polizeiakademie, die nun doch nicht das Gebäude beziehen würde, sei die Erhaltung des Gebäudes zu unwirtschaftlich geworden. Mit den Mieteinnahmen hätte das Projekt noch weitergetragen werden können.
Frizzi hat seine eigenen Theorien, was den Rauswurf betrifft.
„Sie wollten uns nicht haben. Wir haben nicht hineingepasst.“
Für ihn war die Kommunikation mit der Gemeinde stets sehr schwierig: „Wir haben keine Rückmeldungen auf unsere Anfragen bekommen. Der Kulturausschuss hat sich nicht für unsere Veranstaltungen interessiert. Im Tourismusverband durften wir halt gutmütigerweise unsere Flyer auflegen. Aber es herrschte ganz offensichtlich ein grundsätzliches Desinteresse, das in einem starken Gegensatz zur ursprünglichen Euphorie stand. Zum Schluss waren wir nur noch geduldet, wir waren ihnen lästig.“ Auch das Angebot, Mieten einzurichten, um die Mehrkosten für die Gemeinde (teilweise) aufzufangen, wurde abgewunken. Frizzi führt das darauf zurück, dass sie keine traditionelle, sondern alternative Kunst und Kultur geschaffen hatten: „So etwas hat im Dorf keinen Platz.“ Auch Brauchtumsvereine waren eine Zeitlang in der alten Schule angesiedelt. Laut Frizzi hielten sich diese in ihrer Kritik zurück, „weil wenn sie was sagen, bekommen sie keine Aufträge mehr.“
Frizzi schien es so, als wollte man den baufälligen Zustand einiger der Klassenzimmer auf die Nutzung durch die Akteur:innen in der Schule schieben, obwohl diese ihm zufolge vorher schon so ausgesehen hatten. „Alle Räume, die wir genutzt haben, waren super hergerichtet, weil alle so viel Mühe hineingesteckt hatten. Die anderen Räume haben wir nicht benutzt.“ Es wurde dann auch auf angebliche Randale hingewiesen: „Es wurde so dargestellt, als würden die Jugendlichen alles kaputt machen. Natürlich wurde da Party gemacht, aber es hat halt auch keiner kontrolliert.“ Das hängt für Frizzi mit der fehlenden Organisation zusammen: „Wirklich gescheitert ist das Projekt, weil es keine Verwaltung gab. Ursprünglich war eine Position mit etwa 10 Wochenstunden für die Raumkoordination vorgesehen gewesen, aber es wurde nie jemand eingesetzt. Es wurde auch schon ein Programm für die Raumbuchungen eingerichtet, aber das wurde dann nicht genutzt.“ Für Frizzi eine Herausforderung, da sämtliche Anfragen an ihn als Obmann des Kulturvereins herangetragen wurden. „Ich bin kein Verwalter, das habe ich auch immer gesagt. Beim letzten Gespräch, das wir mit der Gemeinde hatten, hieß es dann, wir hätten das Schulhaus verlottern lassen. Das hat uns sehr gewurmt.“

Die Vision von einem multidisziplinären Veranstaltungs- und Begegnungsort lebt weiter
Frizzi hätte sich darum bemüht, Alternativlösungen zu finden. „Es gibt neben der alten Schule drei weitere Leerstände, die wir nutzen hätten können – ein anderes ehemaliges Schulgebäude, das alte Schwimmbad, das alte Feuerwehrhaus. ‚Ist irgendwo ein Platz für uns?‘ ‚Nein.‘ ‚Und in der Zukunft?‘ ‚Nein.‘ ‚Das heißt, ihr wollt uns nicht haben?‘ Keine Antwort.“ Dem Obmann ist klar, dass das Zurverfügungstellen der Räumlichkeiten keine Selbstverständlichkeit ist. Aber: „Uns bringt es nichts, wenn wir einen kleinen Vereinsraum haben. Wir brauchen Räume, um Veranstaltungen zu machen. Wir wollen damit allen einen Mehrwert bringen, für die Gemeinschaft, die Entwicklung von neuen Ideen, im Endeffekt auch für die Wertschöpfung, wir haben auch Angebote für den Tourismus gehabt. Das ist kein Selbstzweck, sondern für alle gedacht.“
Über die Raumnutzungsbewilligung hinaus gab es von der Gemeinde keine Förderungen für den Verein laut Frizzi. Im Projektplan von 2022 wäre eine EU-Förderung enthalten gewesen. Aufgrund der fehlenden Subventionierung seitens der Gemeinde wäre der Verein aber um diese Förderung umgefallen. „Ich höre das von vielen Kulturvereinen auf dem Land. Wir sind mit vielen vernetzt, die auch nichts Traditionelles machen, die das auch bestätigen. Die sagen auch: Wenn du von der Gemeinde Unterstützung bekommst, das ist Luxus. Das haben halt nur wenige.“
Inzwischen ist der Verein von 20 aktiven Mitgliedern auf 6 geschrumpft. „Wir machen jetzt ein reduziertes Programm, weil die meisten frustriert sind. Wir können uns keine größeren Sachen leisten, jetzt machen wir kleinere Projekte. Es war immer schon so, dass eine:r eine Idee eingebracht hat, und die anderen haben ihn:sie dann unterstützt. Eine offene Struktur, in der sich jede:r einbringen kann. Jetzt ist es halt so: Der ursprüngliche Plan ist gescheitert. Wir wollten was Tolles, Großes aufziehen – ähnlich wie die BASIS in Vinschgau. Ein Leuchtturmprojekt. Aber der Leuchtturm ist nur von den Vereinsmitgliedern befeuert worden. Von der Gemeinde ist nur Wasser drübergeschüttet worden.“
Vorbild BASIS als überregionaler Wirtschafts- und Kulturhub im Vinschgau
Die BASIS Vinschgau Venosta wurde 2019 gegründet. Angesiedelt in der ehemaligen Palazzina Servizi in der Drusus-Kaserne in Schlanders verfolgt der Verein das Ziel, eine Schnittstelle zwischen moderner Ökonomie, informeller Bildung, zeitgenössischer Kunst und sozio-kultureller Entfaltung zu bieten. Die BASIS bezeichnet sich als „Social Activation Hub“ und schafft Räume für Austausch, Entwicklung, und Inspiration für multidisziplinäre Akteur:innen. Die übergreifende Vision ist jene eines Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftszentrum zur Aufwertung einer peripheren Region, die stark von Abwanderung betroffen ist. In der BASIS finden sich Kunstgalerien, Künstler:innen-Residencys, Co-Working, Fablabs, eine Culinary Craft Academy und viel mehr. Die Ausstattung ermöglicht zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten. Darüber hinaus organisiert das Zentrum zahlreiche Veranstaltungen – egal, ob es um Weiterbildung, Kunst, Kultur oder Unterhaltung geht. Die BASIS wird oft als Best-Practice-Beispiel für gelungene Dorfbelebung und Stärkung eines ländlichen Raums herangezogen – sowie für die partizipative Nachnutzung eines leerstehenden öffentlichen Gebäudes. Der Erfolg ist zurückzuführen auf den unermüdlichen Einsatz der Beteiligten – und die Unterstützung aus dem öffentlichen und privaten Sektor. Dieses Beispiel zeigt ein weiteres Mal, dass zum Gelingen solcher Gemeinschaftsprojekte die Unterstützung nicht nur von aktiven Mitgliedern ausgehen muss, sondern dieses vom Einsatz vieler Partner:innen abhängt. (Link zur Website in den Quellen)
Udo Frizzi resümiert:
„Das ist die derzeitige Situation: Wir sind draußen. Die, die jetzt quasi noch übrig sind, sind natürlich alle in Kontakt, aber es ist halt so, dass der Verein ein bisschen aufgesplittet ist. Ein paar machen ihre eigenen Sachen, ein paar machen Sachen im Namen des Vereins, aber man kann jetzt nicht sagen, dass wir gleich präsent sind wie vor einem Jahr. Das ist einfach vorbei. Solange wir kein Zentrum haben, wird es halt extrem schwierig. Vorher war es einfach so: Du bist da reingegangen, hast jede:n getroffen, ohne etwas auszumachen, weil alle ihre Ateliers und Räume im Gebäude hatten. Dann sind wieder Ideen geboren worden, und es ist was Neues entstanden. Das ist jetzt alles nicht mehr. Wie soll da der Verein großartig leben? Den Verein gibt es, den wird es auch weiterhin geben, aber die Aktivität haben wir natürlich nicht mehr. Weil wir keine Chance haben.“
Der Obmann ist inzwischen mit anderen Gemeinden im Bezirk im Gespräch und versucht, eine andere Räumlichkeit für den Verein zu finden. Er ist bereits auf Interesse gestoßen, aber konkrete Aussichten gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.







I Julia Zachenhofer
Quellen:
Website eigentlich kultur: https://www.eigentlich-kultur.at/kultur/
Projektbeschreibung „Alte Schule – neues Leben“, regionalSynergie: https://regionalsynergie.com/stubai/
Synopse u.a. aus Berichterstattung der RegionalMedien Tirol: https://www.meinbezirk.at/tag/alte-schule-neustift
BASIS Vinschgau Venosta: https://basis.space/
IG Kultur / Beitrag zu Kulturarbeit im Leerstand: https://igkultur.at/praxis/progressive-provinz-kulturarbeit-im-leerstand
