komplex besucht INFF – Tag III

Freitag der krönende Abschluss einer spannenden Woche. Wir haben uns  trotz schönstem Bilderbuchwetter im Kinosaal 2 verschanzt und der Diskussion SESSION 4: WAS KANN TEXT? WAS KANN BILD? zwischen Christian Berger (Oscar-Nominierung „Beste Kamera“ für Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte, 2010) und Johannes Kostenzer (INFF – Festivaldirektor und Landesumweltanwalt) gelauscht. Auch der deutsche Naturfilmer Oliver Goetzl verließ kurzfristig seinen Platz im Publikum und komplettierte das Zweiergespann auf der „Bühne“.  Fazit: Unser Besuch hat sich gelohnt! Und was wir davon mitgenommen haben, gibt es nun hier nachzulesen:

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(c) Dino Mehadzic

Überlasst das Denken den Menschen!

Die Kunst des Dokumentarfilmens liegt nicht darin, dem Zuschauer eine Fülle von Text und noch mehr Text vor den Latz zu knallen. Christian Berger, Kameramann und Professor an der Filmakademie Wien, kritisiert das mangelhafte Vertrauen vieler Filmemacher, was den Verstand ihres Publikums betrifft, und entfernt sich von der weit verbreiteten Annahme, man müsse die Rezipient*innen ununterbrochen unterhalten und sie geradezu mit Informationen überhäufen. Berger hält dies für eine Entmündigung der Zuseher*innen sowie eine Zensur des Filmemachens. Erst wenn der/die Rezipient*in sich selbst überlassen ist und mit dem Gesehenen eigenständig umzugehen versucht, ist er/sie auch aktiv am Geschehen beteiligt. Zu viel Text kann das bloße Beobachten stören und reduziert wertvolles Bildmaterial auf einen reinen Dekorationsgegenstand.

Text soll also auf intelligente Weise, nicht aber mit der Annahme „sonst verstehen’s die Leit nit“,  eingesetzt werden. Weg von Beschleunigung und Simplifizierung, zurück zur Konzentration. Berger beruft sich dabei auf die filmische Weisheit „Zeige, was du nicht sagen kannst und sage, was du nicht zeigen kannst“.

Das wahre Filmen

Der Kameramann spricht vom Dokumentarfilm als dem wahren Filmen – einer Beobachtung von Mensch und Land, die er selbst maßgeblich für sein persönliches Wachsen als Filmemacher verantwortlich sieht. Hier lernte Berger feinste Nuancen zu erkennen und ein besseres Gespür für die Bedürfnisse seines Gegenübers zu entwickeln.

Goetzl bringt ein, dass das Schreiben von Drehbüchern in der Branche Dokumentarfilm immer mehr gefordert wird. Er selbst fände es weitaus sinnvoller nach guter Recherche in die jeweilige Welt einzutauchen und alles auf sich wirken zu lassen. In der Natur kommt es immerhin oft anders, als geplant. Berger fügt hinzu, dass man lernen muss in solchen Fällen nicht enttäuscht zu sein. Mensch, Tier und Natur reagieren eben nicht immer nach eigener Idealvorstellung.

Dokumentation und Mensch

In der Arbeit mit Menschen geht es dem Filmemacher vor allem um den Respekt vor Schamgrenzen, Vertrauen, Nähe und Echtheit. Berger kritisiert den schamlosen Umgang vieler Dokumentationen und die Sensationslust, die das Spektakel über die Beziehung zum Menschen stellt. Der Wohnungsputz, bevor das Kamerateam erscheint, die Bratäpfel auf dem Tisch, da gerade Weihnachten ist und es so gut zur Stimmung passt – sowie andere Deformationen, gegen die sich niemand zu wehren scheint, führen dazu, dass die Person nicht mehr als diese wahrgenommen werden kann, die sie ist.

Gesprächspausen, in denen die Beteiligten nach Antworten suchen, sagen oft mehr als die Antwort selbst, werden aber in der Regel aus der Dokumentation herausgenommen. Momente, in denen den Beteiligten ein, zwei Äh’s und Und’s über die Lippen kommen, gelten als störend und werden ebenso entfernt. Berger sieht darin eine Verstümmelung der Gesprächssituation, da gerade diese noch so unbedeutend scheinenden Feinheiten sehr viel Subtext vermitteln und der Dokumentation erst ihre Authentizität verleihen.

Es geht nicht darum, den Zuschauern zu sagen, was sie fühlen sollen, es geht darum, eine Welt zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, Gefühle zu erleben.“ [1]

Berger versteht sein Handwerk und zeigt sich unbeeindruckt von sogenannten Do’s und Dont’s. Denn wer weiß schon, was das Publikum begeistert oder langweilt? Der Filmemacher hat eine simple Lösung für sein Schaffen gefunden: Wenn es den Leuten nicht gefällt, „dann solln sie sich schleichen“.

Noch rasch nachgegoogelt, schließt er mit einem Zitat von Hélène Grimaud ab und verabschiedet sich vom Publikum mit einem nett gemeinten „Schleichts eich“ – uns hat’s gefallen!

MJ

[1] http://www.zeit.de/2016/13/helene-grimaud-pianistin-water

 

komplex besucht INFF – Tag 2

Nachhaltigkeit ist ein Thema, dem sich nicht nur die Filme des Innsbruck Nature Film Festival widmen. Auch das umfangreiche Rahmenprogramm bietet Workshops, Vorträge und Führungen rund um das Umweltbewusstsein. Gestern Abend fand im Café Max Standard eine Lesung des Wiener Autors Thomas Weber statt. Dabei ging es um Verbraucher-Punkte, Online-Handel sowie „Bio“ und „Regionalität“. 

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Wir Menschen leben auf großem Fuß – nicht zuletzt, was unseren „ökologischen Fußabdruck“ betrifft. Unsere Lebensweise und unser Rohstoffverbrauch stehen in keinem Verhältnis mehr zu den global verfügbaren Ressourcen. Die meisten Menschen in den Industriestaaten denken wahrscheinlich nur ungern über so etwas nach, und es gibt vielleicht sogar noch den ein oder anderen, dem das gar nicht bewusst ist. Thomas Weber kramt all diese unangenehmen Wahrheiten hervor und hält sie uns direkt vor Augen – oder vor Ohren, als er am Mittwochabend im Max Standard einige Ausschnitte aus seinem Buch „100 Punkte Tag für Tag“ vorliest.

Das 100-Punkte-System

Mit dem 100-Punkte-System bedient sich der Journalist und Autor eines anschaulichen Konzepts, das den CO2-Verbrauch der Menschen unter die Lupe nimmt. Entwickelt wurde dieses von der Vorarlberger Initiative „Ein guter Tag hat 100 Punkte“. Die volle Punktzahl entspricht dabei dem wissenschaftlichen Richtwert von 6,8 kg CO2, die ein Mensch pro Tag höchstens verbrauchen sollte, um die Umwelt und das Klima zu schonen. Der Verbrauch richtet sich beispielsweise auf Konsum, Mobilität, Heizen und Stromverbrauch. Als Beispiel: „Alleine mit Heizen, Kleidung und aller Technik in der Wohnung gehen täglich 30 bis 50 Punkte drauf“, erklärt Weber. Ziel ist es also, die eigene Lebensweise diesen 100 Punkten anzupassen.

„Bestell online“

Zu Beginn seines Vortrags liest Weber das Inhaltsverzeichnis seines Buches „100 Punkte Tag für Tag“ vor. Das Publikum darf sich zwei Kapitel aussuchen, die der Autor in der Folge vorliest. Die Zuschauer entscheiden sich zunächst für: „Bestell online“. Auf den ersten Blick wirkt diese Maxime im Kontext des nachhaltigen Handelns absurd, angesichts der Ausmaße, die der Online-Handel in den letzten Jahren angenommen hat. Aber Weber sagt: Vor allem die Transporte seien oft ökologischer und besser koordiniert als die private Fahrt zum Supermarkt. Dabei bezieht er sich auf eine Studie des Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich. Die Voraussetzung dafür ist die Missachtung dessen, womit der Online-Handel vorwiegend wirbt: der „sofortness“. Stattdessen solle man auf „slowness“ setzen und auch einmal mehrere Tage auf das bestellte Produkt warten. Dann ist der Lieferwagen voll und die Fahrt zahlt sich aus. Heimische Supermärkte nutzen laut Weber in Ballungszentren bereits das „shop-courier-service“, wobei Kuriere die Bestellungen innerhalb weniger Stunden ausliefern, die der Kunde im Internet bestellt hat. Dies könne die lokale Wirtschaft fördern und das Verkehrsaufkommen reduzieren.

„Kauf bio, nicht regional“

Als nächstes will das Publikum mehr über „Kauf bio, nicht regional“ wissen. Darin spricht Weber einen Irrglauben an, dem viele Käufer unterliegen: dass das Label „regional“ gleichzeitig für die Qualität des Produktes steht. Dabei befinden sich unter so gekennzeichneten Produkten auch konventionell hergestellte Waren. „Nur ‚bio‘ garantiert beispielsweise die artgerechte Tierhaltung“, stellt Weber fest. In den letzten Jahren sei laut einer Verbraucherstudie die Attraktivität und Vermarktung von regionalen Produkten enorm gestiegen. Das berge außerdem ein großes Potential für Verbrauchertäuschung.

Dazu erzählt Weber eine Anekdote: Im Frühjahr habe er sich auf einem Bio-Lebensmittelmarkt in Franken mit dem Gründer der dort ansässigen Regionalwert-AG unterhalten. Dieser habe ihm von Kohlrabi erzählt, der mit dem Attribut „gewachsen in Baden Württemberg“ vermarktet wurde. „Wenn man sich den Weg dieses Kohlrabi vor Augen führt, passt das Label ‚regional‘ plötzlich nicht mehr so gut: Das Saatgut kommt aus Amerika, die Setzlinge wurden in Dänemark auf Kokosfasern aufgezogen, nach Deutschland importiert, sind auf Humusboden aus Aserbaidschan gewachsen und wurden schließlich von Erntehelfern aus Nordafrika geerntet.“ Er nennt noch andere solcher Geschichten: Für das biorama recherchierte ein Redakteur zum Thema Bio-Hotels und fand heraus, dass der dort angebotene „Tiroler Käse aus dem Nachbartal“ eigentlich aus Linz stammte. Überraschend dabei: „Auch wenn die Bezeichnung nicht stimmt, ist der Transport auf diese Weise tatsächlich ökologischer im Vergleich dazu, wenn der Bauer aus dem Seitental jede Woche mit seinem Allrad den Käse liefert.“

Es ist also nicht leicht, sich durch den Dschungel des nachhaltigen Lebens zu manövrieren. Ständig muss man abwägen und hinterfragen. Das will Thomas Weber vermitteln. In seinem Buch finden sich einige Handlungsanleitungen, wie man sein Leben bewusster gestalten kann. Viel mehr aber noch ist das Buch eine Zusammentragung von Erkenntnissen, Geschichten und Widersprüchen. Weber zitiert Studien, Websites, erzählt Anekdoten. Er ist häufig unterwegs im Auftrag der Nachhaltigkeit, besucht beispielsweise auch Landwirtschafts- und Industriebetriebe. Man merkt: Weber hat vieles zu berichten. Seine Botschaft ist nach der Lesung und der anschließenden Diskussion jedenfalls bei allen angekommen.

JZ

komplex besucht INFF – Tag I

Das Innsbruck Nature Filmfestival geht in die 16. Runde – mit rund 46 Filmen, die zu den Themen Umwelt und Natur Unfassbares zu bieten haben. Doch nicht nur atemberaubende Bilder auf der Kinoleinwand füllen dieses Festival mit einem abwechslungsreichen Programm; auch Workshops, Vernissagen, Lesungen und sogar ein Stadtspaziergang beleben die Stadt Innsbruck in der  „Green Week“, die gestern Abend im Leokino-Cinematograph ihren Anlauf genommen hat:

Das Festival wurde mit einer beschwingten Rede des Festivaldirektors und Landesumweltanwalts Johannes Konstenzer eröffnet, der das Mikrofon anschließend Ingrid Felipe, Bundessprecherin der Grünen, und in weiterer Folge DI Bruno Oberhuber, Geschäftsührer von Energie Tirol, übergab, der das Publikum über das Programm „Tirol 2050 energieautonom“ aufklärte. Der optimistische Plan dahinter: Tirol soll innerhalb der nächsten 30 Jahren alle Kräfte bündeln, um sich in der Energieversorgung unabhängig zu machen.

Damit startete der gleich betitelte Poetry Slam unter der professionellen Moderation von Markus Koschuh in das Festivalprogramm. 4 Slammer*innen gaben ihre poetisch verpackten Gedanken zu Themen wie Klimawandel und Umweltschutz zum Besten und bereiteten dem begeisterten Publikum lustige sowie zutiefst berührende Momente.

Schließlich wurde der Dokumentarfilm DUSK CHORUS (Italien, 2016) gezeigt – ein Meisterwerk, das wegen seiner überwältigenden Videoaufnahmen, vor allem aber wegen des Festhaltens der reinen und erstaunlichen Klanglandschaft des ecuadorianischen Regenwaldes, an vielen Orten gezeigt und bewundert wird. Mit einem Mikrofon, das 32 Mikrofone in sich trägt, und einem fantastisch filmenden Alessandro D’Emilia, gelang es dem elektroakustischen Komponisten David Monacchi, nach Monaten im südamerikanischen Regenwald eine zutiefst berührende Hör- und Seherfahrung auf die Leinwand zu zaubern.

Mit einem derart gelungenen Eröffnungsfilm kann man sich nur voller Erwartung in die nächsten Festivaltage stürzen – enttäuscht wird man gewiss nicht werden!

SC

komplex goes Wiesenrock

Wattens wurde vergangenes Wochenende zum zehnten und vorerst letzten Mal zum Festivalgelände: Den Kirchenplatz schmückten selbst gebaute Holzbars, auf Oma-Sofas trotzten die Besucher*innen der aufkommenden Kälte, die Daniel-Swarovski-Statue trug passend zur Wetterlage knallorangene Regenschirme und war eingenebelt in eine Duftmelange aus Bio-Kartoffelrösti von Woody’s, köstlichem Gemüse des Feldvereins, Curry von Thailicious und herzhaften Burgern von InSteps. Allesamt Tiroler Alternativ-Gastronomen mit individuellen Konzepten. Als ob all das nicht schon Besuchsgrund genug wäre, durchschritten wir für das eigentliche Spektakel die Tore der Hauptschule: zur Bühne des einzigartigen Wiesenrock Festivals.

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Vom deutschsprachigen Pop der Tiroler Band Vormärz, dem mitreißenden Hip Hop der Salzburger Scheibsta & die Buben, den psychedelischen Klängen von Mother’s Cake und dem in gemütliche Töne eingepackten Wiener Dialekt des Freitags-Headliners Voodoo Jürgens ließen wir uns, zugegeben, selbst nur von unseren komplex-Kolleg*innen erzählen. Doch das Resümee aller, die wir trafen und befragten: „Einfach ein Wahnsinn!“ Obwohl der graue Himmel das Wasser herabkübelte? „Ach, das hat nix gemacht!“ Am zweiten Tag, dem Samstag, waren die meisten zwar schon mit Gummistiefeln oder matschkompatiblen Bergschuhen ausgestattet – doch das Wetter spielte mit! Aber jetzt lasst uns mal nicht über’s Wetter reden …

Das Publikum war bereits ab der ersten Band topmotiviert. Die drei Innsbrucker von lilla brillierten mit verträumt-melancholischem Sound und waren der ideale Einstieg in den Abend. Wenn Töne elegant klingen können, dann trugen jene von Julien Geffriaud, dem Sänger der nächsten Band, Yalta Club, Anzug. Der Franzose gab bewegende Lyrics mit seiner kraftvollen Stimme zum Besten, nicht ohne dem nötigen Schwung, um die tanzende Meute bis nach vorne ins nass-matschige Erdreich zu locken. Dazu gab’s Gruppenkuscheln am Mikro, teilweise Doppelbesetzung am Schlagzeug und einen regen Instrumentenwechsel. Ein gelungener Auftritt, fanden wir beide. Ebenso schwungvoll gab sich die Meraner Band Mainfelt. Ein deutscher Besucher meinte zwar, er verstünde kein Wort von dem, was die Herren zwischen den Songs sagten, aber das machte nichts: Die englischen Texte verstand man jedenfalls. Auch er wurde durch die Art der Band, eingängigen Mainstream-Rock mit einem Flair irgendwo zwischen irischer Bar und texanischem Rodeo zu verbinden, zum Tanzen animiert. Lebhafter Folk Rock inklusive Banjo und Mundharmonika.

Als ich mir zwischendurch mal eine Zigarette anzündete, entsorgte ich meinen Stummel brav im grünen mobilen (T)aschenbecher, den ich beim Eingang bekommen hatte. Ähnelte zwar ein wenig einem Gefäß für Urinproben, aber es erfüllte seinen Zweck: das Festivalgelände blieb bis zum Ende des Abends zwar durchweicht, aber blütenrein. Alles hier folgte dem grünen Motto: Bitte kein Müll, bitte Respekt für die Natur! Deshalb wurden auch Keramik- anstatt Plastikteller gegen Pfand ausgegeben, der Strom stammte zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen und es gab Bio-Essen, das mit einer Scheckkarte bezahlt wurde, um der Papierflut der Registrierkassen zu entgehen. Nicht umsonst wurde man seit 2014 als erstes „Green Event Tirol“ ausgezeichnet.

Auf unserem Spaziergang über den Dorfplatz fanden wir auch eine Holzkiste, die neben dem kryptischen Namen „Geheimnis#21“ keine weitere Bezeichnung trug. Hinter der Tür fanden wir eine diffuse Landschaft aus Instrumenten und Partybeleuchtung, die per Schalter von den Besucher*innen gesteuert werden konnte: eine Sound- und Lichtinstallation des Tiroler Musikers und Künstlers Philipp Ossanna. Viele der Besonderheiten des Wiesenrock Festivals sind eben gut versteckt und wollen von aufmerksamen Gästen gefunden werden.

Während auf der Main Stage umgebaut wurde, verschlug es uns jetzt zur nahegelegenen kleineren Bühne, welche dieses Jahr zum zweiten Mal das Format der Open Mic Sessions der Innsbrucker Kulturbackstube bespielte. Natürlich hatte man sich auch hier nicht mit einem standardmäßigen Setup zufrieden gegeben: der Tiroler Künstler und Tischler Christian Schwarzer hatte eine Flut von Holzstücken zu einem unkonventionellen Bühnendach zusammengefügt, das in seiner Leichtigkeit der Schwerkraft zu trotzen schien. Auf dieser Bühne hatten noch weniger bekannte Künstler*innen dieses Jahr erneut die Möglichkeit, das Publikum in den knappen fünfzehn Minuten während Soundcheck und Umbau für sich zu gewinnen. Keine große Herausforderung für die lettische Musikerin Baiba Dēķena, welche die Zuschauer*innen mit ihrer einzigartigen Stimme, die sie mit Klavier und experimentellen elektronischen Elementen mischte, innerhalb weniger Sekunden im Zwielicht verzauberte. Nicht das einzige Mal an diesem Abend verlangte das Publikum nach einer Zugabe, für die leider keine Zeit blieb. Hier bot die zweite Bühne mit ihrem begrenzten Fassungsvermögen einen wertvollen Zusatz zum Festival: in kleinem Kreise wurden ganz eigene, intimere Konzerte ermöglicht, die den Headlinern in ihrer Qualität in nichts nachstanden.

Als nächstes brachten Lola Marsh aus Tel Aviv melancholische Klänge auf die Main Stage mit, die uns kurz mal unter die Kapuzen unserer Hoodies verschwinden und in die Musik eintauchen ließen. Die Sängerin Yael Shoshana Cohen tanzte mit ihrem Tamburin feengleich über die Bühne und hüllte das Publikum passend zur einsetzenden Dunkelheit in ihre rauchige, geheimnisvolle Stimme. Der Headliner und letzte Act des Abends, die österreichische Indie-Pop-Band Garish, traf im Publikum wie auch bei uns auf geteilte Meinung. Während eine von uns fast “nonstop unter Strom” stand – wie es die Band ja auch prophezeit – und sich von den Texten zu den meist simplen, aber einprägsamen Melodien fangen ließ, erinnerte die Stimme des Sängers unsere andere Hälfte ein bisschen an einen fabulierenden Märchenerzähler – ein Eindruck, der sich während des ganzen Konzertes nicht abschütteln ließ.

Das führt uns zum Resümee dieses abwechslungsreichen Tages: Wir sind, wie auch im Vorjahr, wieder überzeugt worden. Das Wiesenrock besticht nicht nur durch sein musikalisches Angebot, denn durch das vielseitige Rahmenprogramm kommen auch jene, die keine eingeschworenen Indierock-Anhänger sind, Jahr für Jahr auf ihre Kosten. Hier fügen sich die bunte und vielseitige Dekoration, bei der jedes Detail beachtet wird, die freundlichen Mitarbeiter*innen und enthusiastischen Gäste sowie die familiäre Vertrautheit eines Schulhofes mit der musikalischen Untermalung durch sorgfältig ausgewählte Künstler*innen zu einer ganz besonderen Stimmung zusammen, die in der Tiroler Eventlandschaft zweifellos ein Loch hinterlassen wird. Wir sagen Danke, und vielleicht, hoffentlich, auf Wiedersehen.

CM, DS

komplex #7 [ART]ikulation

Das komplex-Team hat sich für issue#7 in Kunstwerken [art]ikuliert. Erkennt ihr, um welche Werke es sich handelt?

Auflösung:

  • Sara & Michael: Dance at Bougival (Originaltitel: Danse à Bougival) – Pierre-Auguste Renoir (1883)
  • Sarah: Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge (Originaltitel: Meisje met de parel) – Jan Vermeer (1665)
  • Daniel & Mattea: Der Kuss – Gustav Klimt (1908/09)
  • Julia: Dame mit Fächer – Gustav Klimt (1917/18)
  • Judith: The Son of Man (Originaltitel: Le fils de l’homme) – René Magritte (1964)
  • Magdalena: Marilyn Diptych – Andy Warhol (1962)
  • Johanna: Self Portrait – Frida Kahlo (1940)
  • Brigitte: After the Ball (Originaltitel: Joven decadente) – Ramón Casas y Carbó (1899)
  • Brigitte & Michael: American Gothic – Grant Wood (1930)

 

Goodbye IFFI 2017

Mit dem gestrigen Tag ist das 26. IFFI-International Filmfestival Innsbruck zu Ende gegangen und somit auch eine aufregende, herzzerreißende, unterhaltsame sowie lehrreiche Woche mit filmischen Eindrücken aus verschiedensten Ländern. Wir sind froh darüber, dass wir uns – trotz des Sommereinbruchs – in die dunklen und kühlen Säle des Leokinos gewagt haben, um unseren Filmhorizont zu erweitern.

Das komplex-Team verabschiedet sich nun beim diesjährigen IFFI mit einigen persönlichen Festival-Eindrücken und Erinnerungen – wir freuen uns darauf, beim nächsten Mal wieder dabei sein zu dürfen!

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(c) Dino Bossini

Popcorn, Blockbuster und horrende Eintrittspreise sind nicht so meins, deshalb findet man mich normalerweise kaum im Kino. Am IFFI aber schon. Leider in den letzten Jahren immer verpasst, schäme ich mich ja schon ein bisschen dafür zuzugeben, dass ich dieses Jahr das erste Mal dort war. War aber sofort überzeugt. Was das IFFI besonders macht ist die Atmosphäre, die man sofort spürt, wenn man ins Leokino kommt. Man merkt, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt und nicht um das „normale“ Kinogehen. Ein bisschen internationaler Flair in Innsbruck. Hervorgerufen wird dies vor allem durch die vielzählige Anwesenheit der Regisseure unterschiedlichster Filme, die gezeigt werden. Beim Q&A, einem ebenfalls wunderbaren Konzept, erfährt man dann noch etwas über Film und Produktion, das für gewöhnlich dem Zuseher unentdeckt bleibt. Die Premiere von „Home is Here“ zeigte dem/der Innsbrucker/in dann noch etwas, das so manche/r für ungewöhnlich halten mag. Auch hier, in einer kleinen Stadt in den Alpen, kann großartiges Kino entstehen. Greifbar und nah, kennt man doch manche der Locations, an denen gedreht wurde, aus dem alltägliche Leben. – Judith

Die IFFI Woche 2017 war für mich eine sehr intensive und bereichernde Erfahrung, zumal ich zum ersten Mal den Posten der Pressesprecherin dort übernommen habe. Ich habe sehr viele wunderbare Menschen kennengelernt und tolle Filme gesehen. Mein Lieblingsfilm 2017 ist „Traindriver’s Diary“ von Milos Radović – ein herrlich witziger, tragischer und zynischer Film! Besonders bewegt hat mich unser unerschütterlicher Teamzusammenhalt und die Freude daran, so ein schönes Festival mitgestaltet zu haben. – Sara

Was ich am IFFI so sehr schätze ist, dass die vielen Filme aus fernen und uns eher unbekannten Ländern (wie Kirgistan, Serbien, Kuba etc.) Bilder vermitteln, die einen realistischen Einblick in diese fremden Gegenden und Kulturen gewähren. Das Festival hält für mich einen persönlichen Mehrwert bereit, indem es meinen Horizont erweitert und mich mit seinen vielseitigen filmischen Eindrücken bereichert.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Screening des Dokumentarfilms „Sonita“ (2015, Iran), – ein Film über die Geschichte einer 18-jährigen afghanischen Rapperin – den ich sogar selbst anmoderieren durfte. Im Anschluss dieses bewegenden Portraits sollte eigentlich eine Hip-Hop Performance von geflüchteten Jugendlichen aus dem Jugendzentrum z6 stattfinden, die allerdings abgesagt werden musste, weil es einem afghanischen Jungen von seinen Eltern untersagt wurde, aufzutreten, da diese mit dem kritischen Inhalt des Films nicht einverstanden waren… Diese Begebenheit spiegelt die in der Dokumentation geschilderte Problematik 1:1 wider – man könnte fast sagen, dass der auf der Leinwand gezeigte Film von der Realität eingeholt wurde. Einmal mehr bekam ich durch dieses Ereignis die realitäts- und gegenwartsnahe Bedeutstamkeit des IFFIs zu spüren. – Brigit

Sonntagnachmittags in Innsbruck, etwa 30 Grad Außentemperatur bei klarem, blauem Himmel.  Das IFFI Festival neigt sich dem Ende zu, und es gibt nur noch wenige fesselnde Filme zu sehen – gleich zwei Filme davon von der Österreicherin Melanie Hollaus („Hernalser – Der Stein denkt mordet liebt“ + „Bilder der Verwandlung“), welche eine Hommage an die Arbeiterklasse darstellen. Diese beiden Filme dürfen und sollten nicht als einfache Spielfilme gesehen werden, sondern vielmehr als gesammeltes Kunstprojekt, welches die verschiedensten Medien ineinander verbindet. – Michael

Das IFFI bietet eine tolle Gelegenheit in eine Filmwelt abseits des Mainstreams einzutauchen und die Arbeiten von Filmemachern kennenzulernen, deren Herkunftsorte man nicht einmal auf der Landkarte finden würde. Mein persönliches Highlight war die Kombi Groschup & Menzel und ihr ewiger Streit um das Mikro sowie der ganz besondere Flair bei der Open-Air-Vorführung der Dokumentation ’66 Kinos‘ auf der Dachterrasse des Hotel Nala. Welcher Film mein Herz für sich gewonnen hat? Eindeutig „Ich habe den englischen König bedient“! – Mattea

Das Internationale Filmfestival Innsbruck begeistert Jung und Alt jedes Jahr aufs Neue und schafft es, in einem Provinznestchen wie Innsbruck einen schon fast urban anmutenden Haufen von Kulturbegeisterten zusammenzutrommeln und zu vereinen. Das IFFI beweist damit alljährlich, dass die Liebe zum Film – und zum Kulturleben im Allgemeinen – nichts mit der Größe einer Stadt zu tun hat. Sondern eben mit der Liebe. – Sarah

 

Wir sagen „Danke“ an das IFFI-Team für die großartige Organisation des Festivals und die Bemühungen, dieses einzigartige Event, viele beeindruckende Filme sowie zahlreiche interessante Gäste nach Innsbruck zu holen!

komplex besucht IFFI – Tag III

Sonnenschein, steigende Temperaturen und der Gedanke an den Biergarten –  soll man da tatsächlich ins Kino? Auf jeden Fall, fanden wir, denn die Auswahl der gestrigen Filme zwang einen förmlich dazu. Viele weitere Besucher*innen sind diesem Aufruf ebenfalls gefolgt, denn sie wollten sich unter anderem die Österreichpremiere eines in Innsbruck entstandenen Films nicht entgehen lassen.

Zum Bersten voll war Saal 1 im Leokino als Tereza Kotyk’s Film „Home is here“ anlief. Er erzählt von Hannah, die Außenseiterin in der eigenen Heimat ist. Hannah lebt mit ihrer Familie, doch sie fühlt sich nicht zu Hause. Fremd ist ihr ihr eigenes Leben und so sucht sie ein anderes, um sich darin zu verstecken. Dies findet sie in der Villa von Max. Tereza Kotyk erzählt die Geschichte der beiden sich Unbekannten ohne viele Worte, aber mit der großartigen Kraft der Bilder, Bewegungen und Zeichen. Besonders interessant für alle Tiroler*innen sind die Drehorte Innsbruck und Umgebung. Kotyk zeigt das uns Vertraute aus einem völlig anderen Blickwinkel. Nicht die Nordkette und der Patscherkofel, für die Innsbruck so bekannt ist, stehen im Zentrum, sondern die Geschichte spielt im Innsbrucker O-Dorf. Kotyk möchte mit den Tiroler Klischees brechen, den Blick weg von den Bergen lenken und hin zur Stadt und ihrer Architektur. Dieses loslösen von Klischees unterstreicht sie mit der Form der Einsamkeit, in der sich Hannah befindet. Für so manche*n Tiroler*in wohl ebenfalls schwer nachzuvollziehen.

Ein weiterer Hauptcharakter, der sich einsam in der Heimat fühlt, ist Anisoara aus dem gleichnamigen Film von Ana-Felicia Scutelnicu. Sie lebt mit ihrer Familie und Verwandtschaft in einem kleinen Dorf in Moldawien. Auch hier wird auf wenig Dialog gesetzt und die Einfachheit des Lebens in beeindruckenden Bildern gezeigt. Das Gefangensein in einer männerdominierten Gesellschaft und die erste große Liebe machen diese Coming-of-Age Story zu etwas ganz Besonderem.

Zu guter Letzt, und wohl ein weiteres Highlight des IFFIs war das gestrige Filmscreening von „66 Kinos“ auf der Dachterrasse des Hotel Nala. Die Ironie dabei: der einzige Film, der das Wort „Kino“ im Titel enthält und sich extensiv mit diesen beschäftigt, wird ausgerechnet nicht in einem gezeigt. Doch die Atmosphäre der Dachterrasse machte dies allemal wett. Als offizieller Partner des Festivals präsentierte sich das Hotel den Zuseher*innen von seiner besten Seite – inklusive Begrüßungsgetränk und Kuscheldecke gegen die abendliche Kälte. Ein Ort, an dem man sich nicht fremd fühlen muss. So auch nicht Filmproduzent Philipp Hartmann, der den Abend mit seiner Anwesenheit abrundete und aufgeregt zu einer Diskussion über die Digitalisierung des Films und die Vorteile des guten alten 35mm einlud.

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Nala Dachterrasse – „66 Kinos“ von Philipp Hartmann

JB

komplex besucht IFFI – Tag II

Bei perfektem Kinowetter haben gestern wieder einige Filmbegeisterte im Leokino-Cinematograph zusammengefunden. Nicht aber, um sich wegen des Regens unterzustellen, sondern um zwei Filme des Meisters der Komödie, Jiří Menzel, zu sehen.

So haben wir den Kellner Jan Dite in „Ich habe den englischen König bedient“ (2006) durch tschechische Bars und Restaurants  des 20. Jahrhunderts begleitet, dessen Leben von zwei Wünschen dominiert wird: dem Wunsch, Millionär zu werden und natürlich jede Menge schöne Frauen. Ein äußerst amüsanter Film, bei dem wir an einigen Stellen laut und herzhaft lachen konnten – Prädikat: „Wertvoll“!

In die zweite Runde ging es mit Milos Hrma, der dabei ist, auf etwas holprigem Wege vom Jungen zum Mann zu werden. „Scharf beobachtete Züge“ (1966) wurde 1968 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Und das zu Recht, findet das Publikum.

Doch das eigentliche Highlight des gestrigen Tages: Jiří Menzel himself! Mit roter Regenjacke und einem Glas Bier in der Hand präsentierte sich der 79 – jährige Tscheche vor dem Publikum. Übersetzer werden überbewertet, könnte man meinen. Wir sind froh, dass Menzel die Macht des Mikros an sich gerissen und sich uns in gebrochenem Deutsch, doch fließend ironisch selbst mitgeteilt hat. Hier ein paar Perlen aus dem Q&A, die den ganzen Kinosaal zum Lachen brachten:

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Jiří Menzel beim IFFI (c) Dino Bossini

Ich hoffe, dass sie bleiben bis zu Ende. Und dann können sie Applaus machen, nicht jetzt ja?“

Danke, dass Sie bis zu Ende geblieben.“ Tosender Applaus. „Jirí, du hast den Applaus gehört.“ – „Ja, aber nicht so gut. Nicht so viel.“ […] Zwischenapplaus.“Nein, nein. Sie sollten nicht Applaus machen. Wir müssen hier so lange stehen.“ […] „Nur nach dem Film darf Applaus gemacht werden?“ Ja, das hab ich in mein Kopf schon.Und dann?“ – „Das ist mir genug, was ich… niemand kann mir besser loben, als mich selbst.“

„Deine Vorbilder für deine Komödien?“ – „Meinst du Mädchen?“ – „Wenn man jetzt deinen Film sieht, dann erinnert man sich an Filme von anderen Filmemachern… Ich hab mich zum Beispiel an einen Film erinnert von Federico Fellini“ – „Who is this? Das habe ich nicht von Fellini geklaut!“ – „Du hast nicht abgeschrieben?“ – „Welche Szene?“ –  „Ja das mit den Frauen zum Beispiel. Oder das mit der Nostalgie.“ – „Nein, das ist meine eigene Erlebnis.“ – „Aha. Du hast nie einen Film von Fellini gesehen?“ – „Who is this? Fellini?“ – „Fellini. Kennst du nicht? Der große Filmemacher von Italien.“ – „Das interessiert mich nicht.“

Die Komödie ist unsterblich, wenn sie gelingt und deswegen habe ich mir schon in der Schule vorgenommen, dass ich nur Komödien machen möchte – obwohl die Intellektuellen und die Kritiker die Nase darüber rümpfen. Für mich ist die Komödie größere Kunst als die Kunst.“

„Ihre Filme waren auch verboten in Tschechien. Als Sie die Filme gemacht haben, war es Ihnen da bewusst, dass Sie provozieren und dass die Filme verboten werden?“ – „Nein ich wollte nie provozieren. Ich habe das mit gutem Gewissen gemacht. Ich will, dass meine Filme sind zum sehen und für die Zuschauer nicht verboten sind. Das hat kein Sinn. Das war nur Zufall.“

Warum machst du Witze?“ – „Ist gegen Langweiler. Ernst ist langweilig.“

„Du hast uns heute etwas erzählt. Du hast erzählt von deinem Lieblingsessen…“ – „Trockenes Brot. Ich bin sehr modest, ja.“ – „Und welche Gewürze nimmst du dazu?“ – „Nein, nein… Nur das Brot. Für uns ist Brot das Wichtigste. Alles was kommt danach, ist nur für die Bourgeois-People. Es ist… ich glaube, dass Film ist Film und die Rede nach dem Film ist nichts als die Rede. Ich bin sehr dankbar, dass Sie sind sehr neugierig über mich. Aber man muss die Filme anschauen und was wichtig ist, was bleibt in Ihrem Kopf, ist nicht der Quatsch, den ich muss sagen.“ – „Ja, aber die Leute interessieren sich für dich. Den Film haben wir ja schon gesehen. Jetzt bist du dran.  Und du sagst uns, was du gerne trinkst und was du gerne isst und …“ „Das darf ich nicht sagen… was ich liebe… nein, das ist nicht für Ihre Ohren. Was ich echt meinen, das ist nur für mich… Sie sind hier zum Film anschauen, bis zum Ende, und wenn sie sind zufrieden, das ist für mich große Ehre, denn ich mache Filme für Sie.“

„Du konfrontierst uns mit sehr vielen Themen in diesem Film…“ – „Ja, die Geschichte ist nach dem Buch von Hrabal“ – „Aber es ist ja keine klassische Buchverfilmung,  du hast die Geschichte ja verändert.“ „Nein, nein. [..] Man muss das Buch lesen und Film ist nur für die faulen Leute, die lieber nicht lesen.“

Leinwand ist nie so reich wie ihre Kopf. Ihre Phantasie ist mehr reich […] Zweidimensional. Leinwand ist so flach […] Buch ist immer das Beste.“

Warum glaubst du, dass du den Oscar bekommen hast?“ – „Das ist immer das Glück. Bei den ausländischen Filmen ist das so. Auf der Welt, viele viele gute Filme. Sehr viele von ihnen haben Angst nach Amerika zu kommen und dass die Mitglieder der Acadamy das anschauen. Ich bin also Glückvogel. Ich weiß das viele andere gute Filme haben nie Chance in Amerika zu kommen […] und noch dazu viele blöde Filme haben Oscar.“ Applaus. „Das ist nicht zum Klatschen.“

Film ist nicht Mathematik. Es ist nicht möglich zu messen mit andere Film.“

Du warst damals einfach der beste Europäer für die Amerikaner.“ – „Ich bin der Beste aus die Amerikaner. Aus Türkei und Europa. Ich bin einfach der Beste.“

Machst du jetzt noch einen Film?“ – „Nein, warum? Nein.“ – „Warum?“ – „Warum? Nein ich bin zu stolz. Nase hoch. Ich habe meine Filme gemacht, wenn jemand gesagt hat, mach das. Jemand wollte das und ich bin zu stolz für die Arbeit zu fragen. Aber es gibt viele junge Regisseure und ich bin froh, dass ich muss nicht arbeiten. Ich bin in Pension“ – „Für Künstler gibt es keine Pension“ – „Für Künstler vielleicht, aber ich bin ein Handwerker!“

BE, MJ

komplex besucht IFFI – Tag I

Gestern Abend ging das IFFI-International Filmfestival Innsbruck offiziell in die 26. Runde. Wir vom komplex haben uns selbstverständlich schon Festivalpässe für diese filmintensive Woche gesichert – nicht nur, um uns ganz viele einzigartige und außergewöhnliche Filme aus aller Welt anzusehen, sondern natürlich auch, um euch ein paar exklusive Einblicke in das Festival zu bieten. Wie der Eröffnungsabend verlaufen ist und was euch heute spannendes am IFFI erwartet, erfährt ihr im Folgenden:

Man musste sich dem Leokino gestern Abend nur nähern und konnte die Spannung förmlich riechen – der erste Abend des Internationalen Filmfestivals Innsbruck stand bevor! Bereits um 18:00 Uhr hielt sich das IFFI-Team bereit und versprühte den für das IFFI typischen chaotisch-sympathischen Charme. Um 19:00 Uhr wanderten die Zuschauer*innen dann in den Kinosaal, der sich innerhalb weniger Minuten randvoll füllte. Die Moderation übernahm unsere komplex-Redakteurin Sara Oberthaler und nach Vorstellung und Wortmeldungen der Ehrengäste (Festivaldirektor Helmut Groschup, Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Jurymitglieder, Regisseure) konnte das Publikum den Eröffnungsfilm gar nicht mehr erwarten. Die Ehre, den Eröffnungsfilm zu präsentieren, wurde dieses Mal Robert Kolinsky zuteil, der ein fesselndes filmisches Porträt über den tschechischen Regisseur Jirí Menzel ins Leben gerufen hat: „Jirí Menzel – To Make A Comedy Is No Fun.“ Ein Tribute, das zum Lachen verführt, aber auch zum Nachdenken und das vor allem große Lust darauf macht, alle Filme Jirí Menzels zu sehen, die in den kommenden Tagen gezeigt werden sollen – kluger Schachzug!

IFFI Opening I

IFFI Opening (c) Janick Entremont

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IFFI Team (c) Janick Entremont

Im Anschluss an den Film gab es wie immer ein herrliches Buffet, das wieder daran erinnerte, wie viel Arbeit, aber auch Liebe das IFFI-Team, das zu einem großen Teil aus Studierenden besteht, in die Entstehung und den Ablauf des Festivals steckt. Den Abend rundete das zum Stillsein und Genießen anregende Konzert von Star-Cellist Lukas Lauermann ab, dessen offensichtliche Leidenschaft für sein Instrument und für seine Musik förmlich auf uns Zuhörer*Innen übersprang.

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Lukas Lauermann (c) Janick Entremont

Letztlich bleibt uns nur noch zu sagen: Ein gelungener Abend und eine würdige Eröffnung dieses ganz besonderen Festivals!

AUSBLICK IFFI – TAG II

Mit zwölf Programmpunkten hält das IFFI heute ein dichtes Programm für seine Besucher*innen bereit. Ganz besonders freuen wir uns nach dem gestrigen Eröffnungsfilm auf zwei Komödien des Regisseurs Jirí Menzel („Ich habe den englischen König bedient“, „Scharf beobachtete Züge“), der uns heute sogar mit seiner persönlichen Anwesenheit im Kinosaal beehrt!

Außerdem findet um 11:00 Uhr der Cinemabrunch im Machete-Burrtio Kartell statt und ab 22:00 Uhr wird DJ Albi Dornauer im Leokino mit Film- und Weltmusik für Stimmung sorgen!

Wir sind schon gespannt auf den vielversprechenden Tag und werden euch natürlich auf dem Laufenden halten!

BE, SC