Erste Annäherungen: LEA ABENDSTEIN und ISABEL PETERHANS im Kunstraum Schwaz

Bis 8. Mai wird im Kunstraum Schwaz die Ausstellung „Flirt“ präsentiert. Es ist die erste gemeinsame Schau der beiden Innsbrucker Künstlerinnen Peterhans und Abendstein und sie zeigt neben inhaltlichen und prozesshaften Überschneidungen auch ein „künstlerisches In-Beziehung-Treten“.  

Isabel Peterhans und Lea Abendstein | Foto: Aslan Kudrnofsky

„Ich hab mich gefragt, welche Macht heute eine Frau zu einer Hexe befördern würde.“, schreibt Lea Abendstein in einem Brief an Isabel Peterhans. „Könnte es vielleicht die Macht sein, die vom Wissen in Kombination mit starker Intuition ausgeht?“ Dieser Brief stammt ursprünglich aus einem E-Mail-Verkehr, der nun handgeschrieben auf Stoffbahnen im Durchgang des Kunstraums Schwaz hängt. Die beiden Künstlerinnen reflektieren und verhandeln philosophische Theorien und die eigene künstlerische Tätigkeit, die immer wieder vom Leben und anderen Verpflichtungen durchbrochen wird. „Während ich diese Mail schreibe, habe ich inzwischen Frühstück gemacht, ein Bad für die Kinder eingelassen… die Gedanken fliegen wild“, lässt Peterhans in ihrer Nachricht an Abendstein auch das Publikum an den persönlichen Überlegungen und den Mühen des Alltags teilhaben. 

Eingangsbereich Kunstraum Schwaz | Foto: Aslan Kudrnofsky

Die Ausstellung „Flirt“ könnte man auch als erste Annäherung begreifen, in der zwei in Innsbruck lebende Künstlerinnen den Versuch starten, ihre Arbeiten in Bezug zu setzen. Die gemeinsamen Themen sind ein philosophisches Hinterfragen der eigenen Identität und der Umwelt und die Auseinandersetzung mit weiblichen Rollenbildern und Erwartungshaltungen im Alltag von Frauen, denen man sich auch als Künstlerin nicht entziehen kann – das zeigt sich etwa in einem Raum mit gewebten Teppichen von Abendstein am Boden und angefangen Strickarbeiten, die so demonstrativ bereitstehen, als wäre das Publikum dazu angehalten, hier weiterzuarbeiten – zur klassischen Musik aus dem Ö1-Radioprogramm und mit Blick auf die Stoffbanner von Peterhans. Der heutige erneut aufflammende Trend zur Handarbeit wird in „Flirt“ aber nicht mit einer konservativen Häuslichkeit assoziiert, sondern als kollektive künstlerische und feministische Praxis präsentiert. Die Rauminstallation zeige das „Zuhause als Ort der (Selbst)begegnung und lasse sich kritisch als Kommentar auf eine Gesellschaft verstehen, „in der Menschen in einem Zustand innerer Abgekoppeltheit leben – von sich selbst, von der Natur und vom sozialen Gefüge.“ So lautet die Beschreibung im Pressetext.   

Arbeiten von Isabel Peterhans | Foto: Aslan Kudrnofsky

Momentaufnahmen und abstrakte Vorstellungen 

Aber auch am Arbeitsprozess selbst zeigen sich Ähnlichkeiten, wie gleich im Eingangsbereich deutlich wird: Beide Künstlerinnen haben schichtweise Collagen produziert, die eine experimentelle und spielerische Herangehensweise vermuten lassen. Was bei Peterhans organische Formen annimmt, machen sich bei Abendstein als Umrisse des eigenen Ichs bemerkbar.

Collage von Lea Abendstein | Foto: Aslan Kudrnofsky

Feministisch interpretieren kann man auch ein Mobile, an dem Klopapier, Ladekabel und Kinderzeichungen baumeln. Noch eindrucksvoller sind jedoch die Arbeiten im Hauptraum, wo Fotografien von Lea Abendstein den Aquarellmalereien von Isabel Peterhans gegenübergestellt werden und in denen fiktive Vorstellungen und die unscheinbaren Momente des Alltags sich in einem assoziativen Dialog zusammenfügen. Die Bilder nehmen die Details der Umgebung in den Blick, zeigen Ausschnitte und teils abstrakte Vorstellungen mit surrealen Motiven wie eine Brust auf roten Stöckelschuhen im Wald, aber auch das Licht von den Strahlen der Sonne, das auf Böden und Wänden fällt. Insekten, Blumen, Oberflächen oder auch die Fasern von Stoffen werden hier aus einer ungewohnten Perspektive abgebildet. Es sind Stimmungsbilder, die einen philosophischen und verspielten Blick auf unsere Umwelt erlauben und auch zum Nachdenken anregen. 

| Sieglinde Wöhrer


BIOS

Lea Abendstein

hat an der Akademie der bildenden Künste Wien Fotografie und bildende Kunst studiert und ist seit 2021 als freischaffende Künstlerin tätig. Ihre Arbeiten wurden mit dem Wolf-Suschitzky-Preis für Fotografie sowie mit dem Josef-Franz-Würlinger-Preis der Stadt Innsbruck ausgezeichnet. 

Isabel Peterhans

arbeitet seit 2012 als freischaffende Illustratorin und Künstlerin und ihre Arbeiten erscheinen in nationalen und internationalen Zeitschriften und Büchern.Sie hat an der Hochschule Luzern sowie an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem studiert und lebt heute mit ihrer Familie in Innsbruck. 

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