Die „Goldene Schindel“: Internationaler Musikvideo-Award made in Tirol mit innovativem Festivalprogramm

Innsbruck und einige weitere Tiroler Gemeinden sind aktuell Austragungsort einer einzigartigen Eventreihe: „Die Goldene Schindel“ prämiert als Austrian Music Video Award nicht nur die besten Musikvideos aus internationalen Einreichungen am Samstag, 12. Oktober, sondern bietet darüber hinaus ein hochspannendes, multidisziplinäres Rahmenprogramm für alle, die sich für das Zusammenspiel aus Musik und Bewegtbild interessieren. Bis nächsten Samstag gibt es noch einige Highlights zu entdecken.

Das Emblem der Goldenen Schindel.

Österreichs einziger Musikvideo-Award tourt durch Tirol

Mit der „Goldenen Schindel“ fing alles an, und mit ihr hört es auch wieder auf: Die Schindel, die zur Eröffnungszeremonie am 14. September feierlich vom Goldenen Dachl herabgeseilt wurde, wird zum Zentrum der Awardfeier, die kommenden Samstag im Metropolkino eine ganz und gar außergewöhnliche Eventreihe abschließt. Mit dem Austrian Music Video Award „Die Goldene Schindel“, die heuer zum zweiten Mal stattfindet, soll nämlich nicht nur eine Plattform für unabhängige Künstler:innen geschaffen werden, es geht weit darüber hinaus: Eingebettet in eine multidisziplinäre 16-teilige Eventreihe wollen die Veranstalter damit einen Rahmen schaffen, um aus unterschiedlichen Perspektiven einen Zugang zu der Kombination aus Musik und Film zu erhalten, darüber nachzudenken und zu diskutieren oder selbst das Handwerk zu erlernen. Das macht die Veranstaltung einzigartig.

Die Veranstaltungsreihe führte in den vergangenen 3 Wochen von Innsbruck nach Schwaz über Wattens, Rietz und Telfs nun wieder nach Innsbruck. Neben Screenings von Musikfilmen wie „The Doors“, „Searching for Sugarman“ oder „Blues Brothers“ mit zugehörigen Diskussions- und Konzertformaten gab es spannende Workshops mit wertvollen Praxistipps zu erleben, darunter „Vom Proberaum auf die Bühne“ und „Künstler Bookings – von der Anfrage bis zur Show“. Die Veranstaltungen sind für Interessierte kostenlos zugänglich.

Seinen krönenden Abschluss findet das Programm am 12. Oktober mit der Verleihung des Awards, überreicht von einer hochkarätigen Jury. Das Ziel: Die besten Musikvideos in vier Kategorien zu finden:

  • The Tyrolean Schindel: für Künstler:innen aus Tirol, die ihre einzigartige musikalische Kultur und Kreativität zeigen
  • The Austrian Schindel: Für Künstler:innen, die ihre Musikvideos einer breiten Plattform präsentieren und damit die Diversität und das Talent der österreischichen Musikszene präsentieren
  • The International Schindel: Für Künstler:innen weltweit, die ihre Musikvideos einem österreichischen Publikum präsentieren möchten
  • The Wooden Schindel: Für besondere Einreichungen, die außergewöhnliche visuelle Präsentationen feiern und kreative Freiheit leben

Der Ausschreibung sind 130 Künstler:innen gefolgt. Auf die Shortlist für den Award geschafft haben es nun jeweils vier Nominierte, darunter namhafte Künstler:innen wie Rap-Queen Spilif, Singer-Songwriterin BAIBA oder Chartstürmer Thorsteinn Einarsson. Die vier Listen sind im Detail auf den Kanälen der Goldenen Schindel auf Social Media einzusehen – check it out!

Rapperin Spilif zählt mit ihrem Musikvideo zu „I Quit“ zu den Nominierten in der Kategorie „The Tyrolean Schindel“ | Foto: Johannes Stöckholzer

Im Gespräch mit Organisator Michael Klieber

Hinter der „Goldenen Schindel“ steht der umtriebige Tiroler Kulturverein LoR. Legends of Rock. Für die „Goldene Schindel“ holten die Veranstalter über 40 Kooperationspartner mit ins Boot. Bestens vernetzt und selbst in der heimischen Musik- und Medienwelt beheimatet, hat sich der Verein in den knapp über 10 Jahren seines Bestehens zum absoluten Fixpunkt in der lokalen Musik- und Kulturszene etabliert. Mit innovativen Veranstaltungsformaten wie „Around the Block“ sorgen die Legends of Rock immer wieder für frischen Wind auf den Bühnen in und rund um Innsbruck, fördern Newcomer und holen mitunter auch große Acts nach Tirol.

Im Kurzgespräch mit Obmann Michael Klieber hat das komplex nachgefragt, was es mit der namensgebenden „Goldenen Schindel“ auf sich hat und was interessierte Musikfans dieses Wochenende und kommende Woche im Rahmenprogramm des Festivals noch erwartet.

komplex: Was hat es mit der namensgebenden Schindel auf sich – die in der Opening Ceremony ja sogar am Schauplatz Goldenes Dachl heruntergelassen wurde?

Michael Klieber: Als uns die Idee zu dem Event gekommen ist, wollten wir einen geeigneten Namen dafür finden – ähnlich wie die bekannten Preise auf den internationalen Filmfestivals wie z.B. Goldener Löwe oder Goldener Bär. Wir wollten einen Innsbruck-Bezug schaffen. Mit Blick auf einen tierischen Vertreter aus dem Alpenzoo ist uns dann längere Zeit der Name „Goldener Luchs“ vorgeschwebt. Schlussendlich haben wir uns dann aber für den Namen mit der größten Innsbruck-Konnotation entschieden – so war die „Goldene Schindel“ geboren. Die Goldene Schindel, die wir bei der Eröffnungsfeier heruntergelassen haben, ist natürlich keine echte – obwohl das tatsächlich für Empörung gesorgt hat. Es ist eine von uns präparierte Goldene Schindel – die es dann auch als Preis zu gewinnen gibt.

2022 hat „Die goldene Schindel“ erstmals stattgefunden. Was ist die Idee dahinter, wie ist das Ganze entstanden und wie hat sich das Event weiterentwickelt?

M.: Die Vorgeschichte beginnt 2021: Damals hatten wir ein großes Festival im Zeughaus geplant, mit über 1000 Besuchern und international bekannten Acts wie z.B. der Antilopengang und auch österreichischen und heimischen Künstler:innen. Dann sind uns die Auflagen aufgrund der Coronapandemie dazwischengekommen und wir konnten das Festival nur sehr reduziert durchführen. Im Anschluss wollten wir ein Veranstaltungsformat mit mehr Planungssicherheit entwickeln, das nicht an solchen Maßnahmen scheitert. So sind wir auf das Medium Musikvideo gekommen. Wir haben dann gesehen, dass es etwas Vergleichbares in Österreich gar nicht gibt. Auch europaweit ist unser Format mit der begleitendem Festivalprogramm einzigartig. Bei anderen Awards gibt es dann halt so 1, 2 Workshops oder Networkingsevents, aber kein so umfassendes Rahmenprogramm, wie wir es geplant haben. Bei der ersten Auflage 2022 haben wir über 200 Einreichungen erhalten, das war für uns eine große Bestätigung. Ursprünglich wollten wir es alle zwei Jahre ausrichten. Jetzt haben wir uns aber gedacht: Eigentlich gehört das jedes Jahr hin. Zukünftig möchten wir das Event also gerne jährlich planen.

Das Rahmenprogramm ist sehr multidisziplinär – in welchen Zusammenhang steht es mit dem Main Event, wie würdest du das Gesamtkonzept beschreiben?

M.: Für uns steht die Frage im Vordergrund: „Woraus besteht ein Musikvideo?“ Genau: Bild und Ton. Und mit diesen zwei Komponenten als Zutaten gehen wir auf Tour in unterschiedliche Gemeinden. Wir waren in Schwaz, Wattens, Rietz und Telfs und haben diese zwei Zutaten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Wir haben das Kino wieder aufs Land gebracht, haben mehreren Vorstellungen und Musikfilme gezeigt, aber auch Konzerte abgehalten, Lesungen, Workshops. In Schwaz zum Beispiel haben wir gemeinsam mit dem Verein Cognac & Biscotten Dizzy von Rebel Musig und Verena Pötzl auf die Bühne geholt, die von Google Translate übersetzte Songtexte erraten mussten. Dann haben wir in einem Podiumsgespräch gefragt, wie sie den Zusammenhang zwischen Musik und Text bewerten, wie es ihnen mit Songwriting geht und was da für sie im Vordergrund steht – als Beispiel dafür, wie wir versucht haben, das Format so vielfältig und fachübergreifend wie möglich aufzuziehen, was uns glaube ich auch gelungen ist. Was man auch dazusagen muss: Wir haben über 40 Kooperationspartner:innen dabei, wir haben das immer im Austausch mit den Gemeinden gemacht und mit einem Kulturverein aus der Gemeinde, und das hat echt super funktioniert.

Kannst du uns einen Einblick in die Einreichungen geben oder bleibt das bis zur Verleihung noch geheim?

M.: Die Nominierten werden laufend vorgestellt auf Social Media. Es gibt insgesamt 16 Nominierte, 4 pro Kategorie. Wir haben insgesamt 130 Einreichungen erhalten. Im Unterschied zum letzten Mal haben wir heuer eine Einreichgebühr eingehoben mit 25 € – bzw. 6,66 € für die Wooden Schindel. Wir sind sehr zufrieden, wir haben extrem hochwertige Einsendungen bekommen, auch international: Wir habe Einreichungen aus dem Iran, aus Jamaika, Schweden, Italien, und zahlreiche aus Deutschland erhalten. Man kann also wirklich sagen, dass die „Goldene Schindel“ ein internationaler Preis ist.

Zum Schluss nochmal ein Blick aufs Programm: Was war dein bisheriges Highlight und was kommt noch auf interessierte Musikfans zu?

M.: Mein persönliches Highlight: Da gibt es viele, aber weil es nicht lang her ist und auch zeigt, worum es uns bei dem Format geht, nenne ich jetzt mal das Konzert von Jesse und Frajo Köhle in der Villa Schindler. Dort wird aktuell eine Sonderausstellung mit dem Namen „Missetaten und Rechtssprüche“ zum Gericht Hörtenberg gezeigt. Das haben wir mit ins Programm eingebunden: Am Vorabend gab es ein Screening von „Walk the Line“ in der KulturWeberei, das sich ja auch um das legendäre Konzert von Johnny Cash im Folsom Prison dreht. Im Rahmen des Konzerts in der Villa Schindler gab es dann am nächsten Tag ein Gefängnislieder-Konzert. Auch ein Gefängnis-Seelsorger aus der Justizanstalt Innsbruck war dabei, der Gedichte von Häftlingen vorgetragen hat – was wiederum einen Bezug zum Johnny-Cash-Film erzeugt.

Was kommt noch? Dieses Wochenende findet ein tolles Programm im Leokino statt mit Konzerten und einer Open-Music-Video-Session, die es so wahrscheinlich auch noch nie irgendwo gegeben hat, wo man ein paar Tage vorher sein Musikvideo einreicht, wir zeigen’s dann, quatschen drüber. Am Sonntag gibt es dann einen Musikfilm zu sehen mit Einführung von Jesse. Am Mittwoch findet eine interessante Lecture auf der Uni statt, die etwas tiefer in die Materie geht und die Musikvideos von wissenschaftlicher Seite betrachtet. Am Donnerstag findet ein extrem cooler Workshop mit Ralf Leitner statt, der Tipps gibt, wie man auch mit geringen Mitteln Musikvideos produzieren kann. Am Samstag findet dann die große Gala statt. Und als Abschluss am Sonntag ein Konzert mit den Humming People, also nochmal großartige Festivalatmosphäre.

Das Duo „Humming People“ ist im Abschlusskonzert am Sonntag, 13. Oktober in der Spitalskirche zu sehen. | Foto: Max Schorch

Julia Zachenhofer


Mehr Infos auf: www.goldeneschindel.at

Termine

05.10.2024
Leokino, Innsbruck
Concert „Faire La Paix“ // 20:00
Open Music Video by Dachziegelflow

06.10.2024
Leokino, Innsbruck
Cinema Mornings „This is Spinal Tap“ // 11:00
Introduction by „Jesse“

09.10.2024
Universität, Innsbruck
Hörsaal 7, Innrain 52d (GEIWI-Turm)
University lecture by Dr. Bernhard Steinbrecher // 19:00
„Inszenierung von Identitäten in Musikvideos. die Erforschung der „Pop-Persona”

10.10.2024
Universität, Innsbruck
Hörsaal 7, Innrain 52d (GEIWI-Turm)
Workshop by Filmproducer „Ralf Leitner „// 19:00
„Einblick in die Welt der Musikvideoproduktion“

12.10.2024
Award Ceremony, Innsbruck
Metropol // 20:00
Concert „Spilif“

12.10.2024
mariatheresia, Innsbruck
Aftershow, DJ Chrisfader // 22:00

13.10.2024
Spitalskirche, Innsbruck
Closing Event, humming people // 19:00

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