Das Jahr nähert sich dem Ende – nicht aber die zu feiernden Jubiläen in der regionalen Kulturlandschaft. Nach 20 Jahre p.m.k –plattform mobile kulturinitiativen feierten kurze Zeit später die TKI – Tiroler Kulturinitiativen dreieinhalb Jahrzehnte ihres Bestehens.

Gegründet im Jahr 1989 hat sich die TKI nicht nur als Interessenvertretung für Künstler:innen und Kulturinitiativen etabliert, sondern auch maßgeblich die Kulturpolitik in Tirol beeinflusst. Seit Anbeginn setzt sich die kulturpolitisch gestaltende Organisation für die kontinuierliche Verbesserung der Rahmenbedingungen der freien Kulturarbeit in Tirol ein. Faire Arbeitsbedingungen für Kulturschaffende, die Förderung von Jugendkultur und die Unterstützung regionaler Kulturarbeit sind nur einige der vielen Wirkbereiche. Mit Projekten wie der Ausschreibung TKI open und Unterstützung durch die Vereinsakademie bietet die TKI zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der freien Kulturszene – sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten.
Die Tiroler Kulturinitiativen blicken mittlerweile auf 35 Jahre voller Engagement für die freie Kulturszene Tirols zurück. Mit derzeit 181 Mitgliedsvereinen, darunter Kulturkollektive und Arbeitsgemeinschaften, hat die TKI seit ihrer Gründung eine zentrale Rolle für Kunst und Kultur im Bundesland gespielt – und das gehört natürlich auch gebührend gefeiert.
Jubiläumsfeier in der Bäckerei Kulturbackstube
Zum großen Jubiläum wurden am Mittwoch, den 20. November, besonders große Brötchen gebacken und – wie sollte es anders sein? – in die Kulturbackstube DieBäckerei in Innsbruck geladen, wo sich auch das TKI-Büro befindet. Nach einem entspannten Sektempfang ging es direkt weiter mit der Begrüßung durch Geschäftsführerin Helene Schnitzer, die seit 2000 die Geschicke der TKI lenkt, sowie durch Obmann Maurice Munisch Kumar. Neben einem Rückblick auf 35 Jahre kulturelle Arbeit bot die Feier auch spannende Ausblicke auf die Zukunft.
Die TKI sieht ihre Aufgabe nicht nur in der kulturpolitischen Interessenvertretung und Beratung von Kulturarbeiter:innen, sondern widmet sich auch spezifischen inhaltlichen Schwerpunkten, die sowohl die Entwicklung der freien Szene als auch die Verknüpfung von Kunst und Nachhaltigkeit betreffen:
- Entwicklung der freien Szene: Die Bedeutung und die Herausforderungen der soziokulturellen Initiativen stehen im Fokus. Hier wird der zunehmende Druck sichtbar, dem freie Kulturschaffende – sowohl finanziell als auch strukturell – ausgesetzt sind.
- Klimakultur: Mit dem Projekt Klimakultur Tirol erforscht die TKI das Potenzial von Kunst und Kultur in Verbindung mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Ziel ist es, die kulturelle Praxis umweltbewusster zu gestalten und zur Bewusstseinsbildung beizutragen.
- Kulturarbeit in ländlichen Regionen: Die finanziellen Engpässe der Gemeinden stellen ein großes Problem dar. Mit sinkenden Budgets für Kunst und Kultur in ländlichen Gebieten verschlechtert sich die Förderlandschaft erheblich.
Die Tiroler Kulturszene habe laut Schnitzer in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Während der Coronapandemie kam der Kulturbetrieb nahezu zum Erliegen, was bei vielen Kultureinrichtungen zu existenziellen Sorgen führte. Nach der Krise zeigte sich, dass das Publikum erst langsam zurückgewonnen werden musste, da sich das Ausgeh- und Konsumverhalten stark verändert hatte.
Die anschließenden Jahre waren durch eine steigende Inflation und massive Teuerungen geprägt. Trotz Fördermaßnahmen konnten die finanziellen Einbußen nur teilweise ausgeglichen werden. Aktuell habe der laut Schnitzer „chronische Sparzwang“ erneut drastische Folgen für die freie Kultur, die überwiegend aus freiwilligen Ermessensausgaben finanziert wird.

Politik als Schlüsselrolle
Die politischen Entscheidungen auf Landes- und Gemeindeebene spielen eine zentrale Rolle für die Zukunft der Kulturarbeit. Die Frage, wie Fördermittel verteilt, Schwerpunkte gesetzt und kulturelle Angebote zugänglich gemacht werden, hängt stark von der jeweiligen politischen Agenda ab. Besonders in einer Zeit knapper Budgets wird die Priorisierung der Kulturförderung zunehmend schwierig. Letztlich geht es immer um politische Entscheidungen, wie sich der Kunst- und Kulturbereich entwickeln kann: Was wird gefördert? Wo werden Schwerpunkte gesetzt? Wie zugänglich sind kulturelle Angebote für alle Teile der Bevölkerung? etc. stellen wichtige Fragen dar, die maßgeblich Entscheidungen – und damit auch Kulturprojekte – beeinflussen.
So waren auch einige Vertreter:innen des Landes Tirol und aus der Politik an diesem Abend anwesend. Nach Grußworten und Gratulationen von Landeshauptmann Anton Mattle (via Videobotschaft), Vizebürgermeister Georg Willi und Melanie Wiener von der Kulturabteilung des Landes Tirol folgte der nächste spannende Programmpunkt.
Ameisen-Amüsement und eine etwas andere Quizshow
Angelika Wischermann zeigte in ihrer Laudatio interessante Parallelen zwischen der Gemeinschaft der TKI und den fleißigen Waldameisen auf. Eigenschaften wie Flexibilität, Diversität und Widerstandsfähigkeit seien essenziell für den Erfolg. Sowohl die Waldameisen als auch die TKI seien in ihrem Tun „anpassungsfähig und stets am Gemeinwohl orientiert“.

„Die TKI als Interessengemeinschaft setzt sich für eben solche kulturellen Orte des Miteinanders ein. Deshalb hoffe ich sehr, dass sich die TKI weiterhin für eine fruchtbare, lebenswerte und divers bevölkerte Umgebung mit sozialem Klima stark machen kann. Vielen Dank für die Vernetzung, den Austausch und die Aufklärung, die ihr seit nunmehr 35 Jahren für uns alle leistet. Das war und ist wirklich großartig.“
– Angelika Wischermann in ihrer Laudatio (hier nachzulesen).
Nach diesen amüsanten und lehrreichen Einblicken nahm die Jubiläumsfeier mit der Quizshow What the Franz? ordentlich Fahrt auf. Die charmanten Quizmaster Xaver Schumacher und Martin Fritz stellten das Wissen, den Humor und den Scharfsinn der Gäst:innen auf die Probe. Ein Highlight war die Aufgabe, in der Gruppe eine fiktive TKI open-Einreichung des Ischgler Hoteliers Günther Aloys zu entwickeln. Der Vorschlag „Sea Life Ischgl“ gewann klar die Lacher des Publikums.

Seinen Ausklang fand der Abend mit Musik von DJ BC-A, die als „TKI-Resident“ für den passenden Sound sorgte, und einem gemütlichen Austausch zwischen Kulturschaffenden und Gästen. Moderiert wurde der Abend souverän von Michael Klieber, bekannt aus Legends of Rock, der mit Charme und Witz durch das Programm führte.
Kein Dauergrinsen: Kultur als Politikum
Der Abend war amüsant und kurzweilig – genau wie es sich für eine Jubiläumsfeier gehört. Doch auch die kritische Seite des Kulturlebens muss weiterhin Erwähnung und Aufmerksamkeit finden: Die freie Kulturszene steht unter enormem Druck. Hohe Inflation, schwache Wirtschaft und Budgetdefizite stellen auch in Zukunft erhebliche Hindernisse dar. Eine weitere Kürzung der ohnehin knappen Kulturmittel würde die Situation für Kulturschaffende noch prekärer machen. Besonders gefährdet ist die Vielfalt der freien Szene, die eine unverzichtbare Bereicherung der Tiroler Kulturlandschaft darstellt.
Die TKI, die sich nicht nur als Interessenvertretung, sondern auch als Impulsgeber für innovative und nachhaltige Kulturarbeit versteht, steht vor großen Herausforderungen. Neben gewohnt tatkräftigem Engagement wird auch die Unterstützung durch die Politik entscheidend sein, um die Kulturszene in Tirol langfristig zu stärken. Denn, wie wir schmerzlich erfahren mussten: Ohne Kunst und Kultur wird es ganz schnell still.
Vielen Dank für euer Engagement und die Einladung, liebe TKI!
Wir freuen uns auf viele weitere Jahre mit euch und eurer wertvollen Arbeit – innovativ, motiviert und immer im Zeichen der Kultur.
| Claudia Wallner
