ÖKÜ: „Unser aller Raum“ – Eine öffentliche Küche am Weltacker

Was jetzt hauptsächlich im Privaten stattfindet, hätte auch im öffentlichen Raum Platz, findet die Architektin Teresa Stillebacher, denn „der öffentliche Raum ist unser aller Raum“, erinnert Lino Lanzmaier und gehöre nicht nur der Stadtverwaltung oder den Gastgärtenbetreibern. In Finnland gäbe es etwa öffentliche Saunen, warum könnte es da nicht in Innsbruck eine öffentliche Küche geben, auf der gemeinsam gekocht und gegessen wird?

ÖKÜ – Die öffentliche Kücheneinheit am Weltacker | Foto: Sieglinde Wöhrer

Also haben Teresa Stillebacher, Lino Lanzmaier, Boris Schwarz, David Spanier und Nina Ziegler mit ÖKÜ eine Küche für draußen gebaut, die als Prototyp für den Aufbau solidarischer Gemeinschaften fungiert. Im Vordergrund stehe das gemeinsame Kochen und der Austausch von Rezepten – wie auch schon bei früheren Projekten der Gruppe, wo etwa in einer mobilen Küche in Albanien, in Lettland oder auch wie kürzlich in Wrocław in Polen (auch darüber gibt es einen Beitrag im komplex) zusammen gekocht wurde. „Wir glauben einfach, dass das Kochen und das Essen eine sehr niederschwellige und vorurteilsfreie Art und Weise sind, wie Menschen zusammenkommen“, sagt Stillebacher. Diese Projekte waren aber nach wenigen Wochen vorbei und „wir haben gesagt, wir wollen eine Küche im öffentlichen Raum bauen, und zwar eine, die Bestand hat.“ 

Lino Lanzmeier, Teresa Stillebacher, Daniel Spanier, Nina Ziegler und Boris Schwarz | Foto: Sieglinde Wöhrer

Mehrere Monate wurde geplant und nach fünf Wochen Bauphase steht der viereinhalb Tonnen schwere Küchenblock aus Stampflehm nun neben den Sonnenblumen im Weltacker in der Reichenau inklusive (temporärem) Wasseranschluss, Arbeitsfläche, zwei mit Feuer betriebenen Öfen und einer Genehmigung der Stadt Innsbruck. Doch ganz so einfach ist es nicht: „Es ist schwierig, dass wir die Küche jetzt komplett offen lassen“, erklärt Stillebacher und spricht über die notwendige Anmeldung und die Einweisung über den Umgang mit der Küche und „jemand von uns oder von der feld:schafft wird dabei sein müssen“, aus Versicherungsgründen. Aber sonst könne man alles gratis benutzen – mitsamt der Infrastruktur in einer kleinen Hütte, wo Brennholz, Löschdecke und anderes Material gelagert wird, das man eventuell zum Pizzamachen brauchen werde. 

Gemeinschaftliches Kochen und Essen | Foto: Teresa Stillebacher

Stillebacher und Lanzmaier arbeiten beide am ./studio3 – Institut für experimentelle Architektur (Universität Innsbruck). Gemeinsam haben sie schon mehrere Projekte zwischen Kunst und Architektur realisiert, die im öffentlichen Raum stattfinden.

„Wir glauben, für eine Stadt ist es extrem wichtig, dass im öffentlichen Raum viele verschiedene Dinge passieren können und dass es nicht nur ein reiner Konsumraum ist.“

Das Kochen sei etwas, das normalerweise im Privaten stattfinde, beschreibt Lanzmaier, umso spannender sei, dass man beim gemeinsamen Kochen auch Erfahrungen miteinander teilt, die man sonst nicht so kennt im öffentlichen Raum. Es entsteht eine ganz andere Identifizierung mit so einem Ort, an dem auch die (oft von Frauen übernommene) Care-Arbeit sichtbar gemacht werden soll.

„Wir sind auch mit dem Situationismus sehr verbunden, in dem es darum geht, dass alltägliche Dinge zelebriert werden und mehr Bedeutung erhalten, weil diese Dinge, die klein und alltäglich sind, eigentlich ganz viel Auswirkung haben auf die Realität und wie wir unsere Stadt wahrnehmen“,

beschreibt Stillebacher.

ÖKÜ-Design Detailansicht | Foto: Teresa Stillebacher

Im Projekt geht es um Interaktion und um den privaten Alltag, der in die Öffentlichkeit geholt werden und dabei auch geöffnet werden soll für Mitmenschen. So könne die Küche zwar frei genutzt werden, aber eben nicht für geschlossen Veranstaltungen wie etwa private Partys mit Freunden. „Das ist nicht die Idee. Wir wollen auf keinen Fall, dass es einen Eventcharakter kriegt, es soll keine private Nutzung sein, sondern den Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen ermöglichen“.

Das Projekt ÖKÜ – öffentliche Kücheneinheit wurde im Rahmen der TKIopen25 und in Kooperation mit der feld:schafft durchgeführt. Ab Oktober steht die Küche nach Anmeldung (bildung@feldschafft.at) und Einführung der Öffentlichkeit zur Verfügung.

| Sieglinde Wöhrer

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