Ein neues Jahr ist ins Land gezogen. Zeit, zurückzublicken auf einen besonderen Abend im Dezember, der noch lange nachhallen wird: Am Freitag, 19. Dezember, fanden Freund:innen des komplex, Künstler:innen und neugierige Besucher:innen ihren Weg ins St. Bartlmä 3, um das druckfrisch erschienene komPOST-Magazin zu feiern. Früher Schmiede und Eisengießerei, heute Heimat und Schauplatz vielfältiger künstlerischer Aktivitäten, bot der Standort St. Bartlmä 3 eine eindrucksvolle Kulisse und spezielle Atmosphäre für die Feierlichkeiten. Wir blicken zurück auf einen vielschichtigen und intensiven Abend voller Begegnungen, Lyrik, Kunst, Dialog, Klangerlebnisse und Wildtiere.

Im Mittelpunkt standen die künstlerische Arbeiten und Texte, die im Rahmen des Open Calls komPOST 25 entstanden sind, darunter Fotografien, Malerei, Videoarbeiten und literarische Beiträge. Diese konnten von den Besucher:innen in multimedialer Form erlebt werden: In der speziell für die Release-Feier kuratierten Ausstellung, in Form einer Lesung, als Video-Installation, DJ-Set – und natürlich im Magazin komPOST 25 selbst.
komPOST: sammeln, kombinieren, verewigen

Um den multimedialen Charakter dieses Abends und des Magazins zu verstehen, dürfen wir hier nochmals auf den Hintergrund zu komPOST eingehen. Dabei werden im Rahmen unseres jährlichen Open Calls unterschiedliche künstlerische Positionen auf einem metaphorischen Komposthaufen zusammengetragen, um sich zu verbinden und zu neuen Konstellationen zu verwachsen und neu zusammenzufinden. Monatlich erscheinen auf unserer Website Beiträge, die aus mindestens zwei künstlerischen Arbeiten bestehen und Text, Bild, Visuelles oder Auditives miteinander verschränken. Am Ende des Jahres werden die Beiträge des Jahres in einem Sammelband verewigt, der nochmals einen Schritt weitergeht, indem er die Werke erneut kombiniert, sie nebeneinander, übereinander und in neue Beziehungen zueinander setzt. Was online seriell nacheinander erscheint, wird im Magazin räumlich verdichtet und dauerhaft festgehalten. So entsteht nicht nur eine Dokumentation, sondern eine eigene Form der künstlerischen Verdichtung und Verewigung. Der komPOST-Band 2025 ist mittlerweile der fünfte Jahresband in dieser Reihe, und einmal mehr einzigartiges Sammlerstück, das die Vielfalt unterschiedlicher künstlerischer Positionen sichtbar macht.

Installationen, Texte, Klang
Die Ausstellung vereinte Arbeiten mehrerer international tätiger Künstler:innen:
Lilith Gore, Avant-Garde-Künstler:in und Musiker:in aus Sofia, prägte mit künstlerischen Arbeiten nicht nur den Eingangsbereich der Ausstellung, sondern auch das Cover des komPOST 25-Magazins. Ihre Werke bewegen sich zwischen Melancholie, dunkler Emotionalität und Widerstand.
Gergő Bánkúti, ungarischer bildender Künstler mit Wohnsitz in Innsbruck, arbeitet in seiner Praxis mit Motiven von Abwesenheit, Nostalgie und Verlust. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Erinnern und Vergessen und verstehen sich als künstlerisches Ritual zwischen Trauerarbeit und Selbstbeobachtung.
Christina Burger, Studentin an der Bildnerischen Innsbruck (Universität Mozarteum Salzburg), zeigte Arbeiten, die zwischen Malerei, Performance und neuen Medien angesiedelt sind und autobiografische Fragmente mit räumlichen Inszenierungen verbinden.
Heyse Ip, multidisziplinärer Künstler, der zwischen London und Hongkong arbeitet, beschäftigt sich in seinen Installationen, Videos und Performances mit Machtverhältnissen in urbanen Ökologien und verschiebt spielerisch die Perspektive zwischen Mensch, Tier und Objekt.
Oksana Pohrebennyk, ukrainische Künstlerin, arbeitet mit Fotografie, Video und Text und erforscht den menschlichen und nicht-menschlichen Körper in seinen affektiven und sinnlichen Erscheinungen. Ihr Projekt Playground entstand im Rahmen der FOKUS INTERNATIONAL Office Ukraine (Re)creation Residency in Zusammenarbeit mit dem Künstler*innenhaus Büchsenhausen und GRUND1535, und wurde als Video-Installation im Rahmen der Release-Feier präsentiert.





Einen konzentrierten literarischen Moment setzte ganz zu Beginn die Lesung von Helena Vranka, deren Texte von sensiblen Beobachtungen, vagen Geistesblitzen und tastender Sprache geprägt ist. Ihre Texte fügten sich ruhig und präzise in die visuelle und klangliche Umgebung des Abends ein.
Im weiteren Verlauf verwandelte sich das St. Bartlmä zunehmend in einen Ort des Austauschs. Gespräche, Musik und gemeinsames Verweilen bestimmten den Abend, getragen von den atmosphärischen Sounds von Nika Kokhreidze und ggggauna, die den Abend mit experimentellen, atmosphärisch dichten Klanglandschaften begleiteten und spätabends ausklingen ließen.



Für einen kulinarischen Höhepunkt sorgten zudem Pompilz, die hungrigen Gästen Pulled-Mushroom-Burritos mit Pilzen aus eigener Aufzucht servierten. Herrlich!
Melancholie, Widerstand und schaurig-freundliche Wesen
In der Ausstellung entstand eine ganz besondere Stimmung, die den Abend trug, beschreibbar vielleicht als eine Atmosphäre zwischen Melancholie und Verletzlichkeit, zwischen Rückzug und Aufbegehren, zwischen Schummrigkeit und Licht. Immer wieder tauchten Motive von Körperlichkeit, Natur, Erinnerung und Transformation auf, mal leise, mal widerspenstig, immer eindringlich.
Auffällig und zufällig durch die Zusammensetzung der Beiträge präsent war auch das Thema Tier, Wildnis und Jagd. Im Raum begegnete man Schaumstoff-Tierattrappen, die Teil des Videoprojekts Playground von Oksana Pohrebennyk waren. Ein Frischling schien sich beinahe unauffällig im Raum zu verstecken, während ein auf Felsgrund drapierter Fuchs die Gäste bereits am Eingang begrüßte. Auch im großformatigen Gemälde von Gergő Bánkúti war die Wildnis und Jagd als erinnerter oder verklärter (oder verlorener?) Ort präsent. Diese wiederkehrenden Motive verwandelten den Raum noch einmal mehr in eine immersive Erfahrungslandschaft.
Zum Weiterlesen & Mitmachen
Für alle, die beim Lesen Lust bekommen haben, tiefer in die im Rahmen von komPOST 25 versammelten Arbeiten einzutauchen: Das aktuelle komPOST-Magazin ist ab sofort auch online gegen einen Spendenbetrag erhältlich.

Und auch der Blick nach vorne ist bereits eröffnet: Der Open Call komPOST 26 ist gestartet. Künstler:innen aus allen Disziplinen sind eingeladen, ihre Arbeiten einzureichen und Teil des nächsten künstlerischen Kompostierungsprozesses zu werden. Wir freuen uns auf neue Stimmen, Bilder, Klänge und Verbindungen! Einsendungen an: post@komplex-kulturmagazin.com
| Julia Zachenhofer
