Im Gespräch mit HI5 – über China und andere Geschichten

Am 26. Oktober haben HI5 – das sind Philipp Ossanna (Gitarre), Matthias Legner (Vibraphon), Clemens Rofner (Bass) und Chris Norz (Drums) – im Innsbrucker Treibhaus-Turm das Release-Konzert ihrer „Southern Inspection Tour“ gespielt. Das Besondere an diesem Album: Alle Stücke wurden von der Band live bei Konzerten auf ihrer China-Tour von Beijing bis Luoyang aufgenommen. Präsentiert wird das „Gesamtkunstwerk“, sozusagen, auch noch in einem sich magisch-mysteriös bewegenden Album-Cover. Wie es die Tiroler Band bis nach China geschafft hat und andere interessante Geschichten erzählen sie im Interview mit komplex

hi5

Foto: Una Yan

komplex: Fangen wir ganz vorne an – HI5 heißt HI5, weil…?

HI5: …unser allererstes Stück HI5 geheißen hat. Daraufhin haben wir dann unsere Band danach benannt.

k: Ihr beschreibt eure Musik selbst als „Minimal Jazz Chamber Music“ – kann man das als euer Genre begreifen?

HI5: Wir wollten damals unserem kurzen Bandnamen noch etwas hinzufügen, das unsere Musik näher beschreibt und so hat sich dann „Minimal Jazz Chamber Music“ ergeben. Dabei steht Minimal für das pattern-Mäßige, das sich Wiederholende in unserer Musik. Jazz bezeichnet unseren grundlegenden approach, unser Improvisieren und bezieht sich auch auf unsere Besetzung. Und mit Kammermusik wollen wir ausdrücken, dass bei uns jedes Instrument die gleiche Wichtigkeit hat – es geht in unserer Musik sehr darum, uns abzustimmen und aufeinander einzugehen.

k: Es kommt vermutlich nicht allzu oft vor, dass eine Tiroler Band eine China-Tournee startet. Wie ist es dazu gekommen?

HI5: Durch das Förderprogramm NASOM – New Austrian Sound of Music 2018/19, das vom Bundesministerium unterstützt wird, konnten wir uns Auslands-Gigs finanzieren. Organisiert wurden diese in Zusammenarbeit mit den österreichischen Kulturforen. Die Destinationen konnten wir dabei selbst wählen und so haben wir uns unter anderem für China entschieden.

k: Eure Musik kommt ohne Lyrics aus, trotzdem lassen die Titel – wie „Trane“ oder „Skijumping“ Raum für Assoziationen. Habt ihr beim Komponieren vorher ein bestimmtes Bild im Kopf oder kommt der Titel erst nach der musikalischen Komposition?

HI5: Gegenfrage – wie hättest du denn „Skijumping“ interpretiert?

k: Wenn ich mir „Skijumping“ anhöre, habe ich sofort das Bild vor mir, wie jemand gerade die Sprungchance runterfährt, fliegt und landet. So klingt es jedenfalls. Aber vielleicht auch nur, weil ich vorher den Titel gelesen habe…

HI5: Das ist interessant, weil ursprünglich hat das Stück „XI Jinping“ geheißen, benannt nach einem chinesischen Politiker, der bei unserer China-Tour überall präsent war. Aber aufgrund der starken Überwachungspolitik in China haben wir dann gedacht, dass es vielleicht doch keine so gute Idee wäre, die Nummer nach ihn zu benennen. Deswegen haben wir das Stück dann einfach in das ähnlich klingende „Skijumping“ umbenannt.

Und bei „Trane“ ergeben sich für uns auch mehrere Interpretationsmöglichkeiten – wie John Coltrane, sich Drehen, die Träne oder eben ein Zug.

k: Das neue Album hat auch visuell Einiges zu bieten, indem sich das Album-Cover fast magisch bewegt. Wie seid ihr auf die Idee des Kinegramms gekommen?

HI5: Dafür ist Philipp verantwortlich. Er hat sich das mit dem Kinegramm ganz genau überlegt und die Idee dann zusammen mit dem Grafiker Matthias Brunthaler umgesetzt. Beim Motiv haben wir uns wieder für unsere Köpfe entschieden, weil sich dieses Bild bei uns schon länger durchzieht, zum Beispiel auch auf dem Cover des Albums „Fünf“.

k: Ich war bei eurem Release-Konzert im Treibhaus dabei und ich muss sagen, es fällt gar nicht leicht, beim Zuhören ruhig sitzen zu bleiben. Gehört es zum Konzept, dass eure Konzerte bestuhlt sind?

HI5: Wir mögen das gerne, weil wir so mehr das Gefühl haben, dass das Publikum bei uns ist. Die Gefahr ist kleiner, dass Unruhe entsteht und die Leute anfangen, zu quatschen. Außerdem lädt die Bestuhlung dazu ein, das gesamte Geschehen genau zu betrachten.

k: Die Lichtshow bei eurem Konzert war ziemlich beeindruckend. Macht ihr die selber?

HI5: Ja, Chris konzipiert die Lichtshows immer bei sich zuhause in seinem abgedunkelten Zimmer. Während des Konzerts steuert er das Licht zusammen mit Clemens von der Bühne aus. Spannend ist das auch für die anderen Bandmitglieder, weil die im Vorhinein manchmal gar nicht genau wissen, was bei der Lichtshow alles passieren wird.

k: Ist der Ablauf der Stücke bei euren Konzerten streng eingeübt oder wird da auch viel improvisiert?

HI5: Circa 90% ist komponiert, 10% improvisiert.

k: Chris erzählt ja manchmal Witze in den Pausen zwischen den Stücken. Kommen die Witze auch in China an?

HI5 (Chris): Ich habe immer ein paar Witze auf Lager, weil man in gewissen Situationen ganz spontan reagieren muss. Im Ausland erzähle ich aber keine Witze, weil ich die auf Englisch nicht so parat habe. Da mache ich das dann etwas anders, zum Beispiel erzähle ich eine Geschichte über uns, die ganz offensichtlich erfunden ist. Wir sind dann immer gespannt, wie das Publikum darauf reagiert.

k: Ein Blick auf euren Tour-Kalender verrät, dass ihr weltweit schon in den unterschiedlichsten Locations aufgetreten seid. Was war denn bisher euer Highlight?

HI5: Ein Highlight war das Euro Jazz Festival vergangenen März in Mexiko-City. Die Größenordnung war einfach überwältigend – mit über 10.000 Zuschauer*innen und einer Live-Übertragung im Fernsehen!

Trotzdem haben wir uns aber nach dem letzten Treibhaus-Konzert gefragt, ob das nicht unser bester Gig überhaupt gewesen ist, weil die Chemie zwischen uns auf der Bühne und mit dem Publikum so sehr gestimmt hat – uns ist einfach alles perfekt aufgegangen.

k: Wenn ihr euch eine ganz beliebige Location für einen Gig aussuchen könntet, wo wäre das? 

HI5: Wir waren gerade für ein paar Konzerte in Japan und haben uns dort das teamLab – Museum in Tokio angesehen – ein visuell wahnsinnig tolles Konzept, wo das gesamte Umfeld auf die Leute im Raum reagiert. Da würden wir gerne mal auftreten! Wenn ihr das nicht kennt, solltet ihr es euch unbedingt im Internet anschauen, dann wisst ihr, wieso…

–> zum teamLab

k: Letzte Frage: Was sagt ihr als Tiroler Band zur Musikszene im Lande?

HI5: Tirol ist ein super Ort, um eine Band zu gründen, weil man da nicht so sehr abgelenkt ist wie in den größeren Städten Wien oder Berlin. Wir haben anfangs nur uns gehabt, und hatten auch keine anderen Projekte nebenbei. Inzwischen haben wir alle noch zusätzliche Projekte, aber von den intensiven Probezeiten in unserer Anfangsphase profitieren wir noch heute.

Danke für das Gespräch!

BE

Termin zum Vormerken:

30.04.2020, Zone Wörgl
zusätzliche Termine findet ihr laufend der HI5-Website

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