Arbeit hinter den Kulissen: im Gespräch mit KHALIL MAHASEN, Veranstaltungstechniker

In unauffälligem Schwarz gekleidet arbeiten sie im Hintergrund und rücken die Darstellenden auf Tirols Bühnen buchstäblich ins richtige Licht: Die Rede ist von Veranstaltungstechniker*innen. Khalil Mahasen, Gründer und Geschäftsführer von ZAM EVENTS, ist einer von ihnen. Für das komplex KULTURMAGAZIN durfte ich ihm ein paar Fragen zu seinem Werdegang und dem Beruf als Veranstaltungstechniker stellen. 

Khalil Mahasen im Interview / Foto: Tamara Scheiber

Tamara Scheiber: Du bist ja nun schon seit mehreren Jahren als Veranstaltungstechniker in Tirol tätig. Was hat dich dazu bewegt, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Khalil Mahasen: Das Schicksal könnte man sagen. Vor über zehn Jahren habe ich mich dazu entschieden, mein Studium an der Wirtschaftsuniversität in Damaskus abzubrechen und mein Heimatland Syrien zu verlassen. Ansonsten wäre ich gezwungen gewesen, zum Militär zu gehen und als Teil dessen das blutige Regime zu unterstützen. Auf meiner Reise nach Europa landete ich schlussendlich in Tirol. Dort angekommen machte ich mich direkt auf die Suche nach Arbeit, um möglichst schnell auf eigenen Beinen zu stehen. Gleich mein erster Job war dann in der Veranstaltungstechnik: Ich installierte und betreute die Weihnachtsbeleuchtung in der Haller Altstadt.

Tamara Scheiber: Ich stelle es mir sehr schwierig vor, in einem fremden Land zu arbeiten, ohne die Sprache fließend zu beherrschen. Wie gelang es dir, diese Herausforderung zu meistern? 

Khalil Mahasen: Glücklicherweise lernte ich schnell nette Tiroler*innen kennen, die mich unterstützten. Am Anfang konnte ich mich gut auf Englisch verständigen, und durch fleißiges Üben wurde dann aber auch mein Deutsch immer besser. Heute verstehe ich nahezu alle Tiroler Dialekte – sei es den vom Ötztaler Musikkapellmeister oder jenen vom Unterländer Skiliftbetreiber. Und abgesehen von den Vokabeln muss man auch den Tiroler Schmäh beherrschen. Das gelingt mir mittlerweile aber auch schon ganz gut, würde ich behaupten. (lacht)

Natürlich konnte ich auch im Arbeitsalltag mein Deutsch verbessern. Mindestens genauso wertvoll waren aber die Kontakte, die ich dabei knüpfen konnte. Diese verhalfen mir nämlich zu vielen weiteren Aufträgen im Veranstaltungsbereich. So konnte ich noch vor Anfang 2017 – da erhielt ich meinen Aufenthaltsbescheid – bei Projekten wie dem Operettensommer auf der Festung Kufstein, dem Festival der Träume und den Festwochen der Alten Musik in Innsbruck mitwirken.

Tamara Scheiber: Mit deinem gültigen Aufenthaltsbescheid hattest du dann ja auch die Möglichkeit, dich an der Universität Innsbruck zu inskribieren. Was wurde aus deinem ursprünglichen Plan, dein Wirtschaftsstudium fortzusetzen?

Khalil Mahasen: Ja genau, ich hätte dann weiterstudieren können und meine ersten Jobs hatte ich am Anfang auch nur als Übergangsphase bis zu meinem Start an der Uni Innsbruck geplant. Doch in den vielen Einsätzen bei Veranstaltungen hatte ich Blut geleckt.

Ich erinnere mich an ein besonderes Erlebnis beim Tanzsommer in Innsbruck. Während des Aufbaus waren die Jalousien an der Decke der Dogana noch geöffnet, sodass Tageslicht hineinschien. Nachdem wir mit der Installation fertig waren, wurden die Dachfenster verdunkelt und die Musik und das Licht eingeschaltet. In diesem Moment wurde mir bewusst, was Veranstaltungstechniker*innen mit ihrer Arbeit bewirken können. Vorher war die Dogana nämlich einfach nur ein riesiger Saal. Doch mit dem Licht und dem Sound, die wir aufgebaut hatten, schufen wir eine komplett neue Welt. Von dem Moment an wusste ich: Diese Magie möchte ich öfter erleben. Und, ich wollte die Mechanismen und Systeme verstehen, die das alles überhaupt möglich machten. Denn damals waren die vielen Verkabelungen und Geräte nichts als ein großes Rätsel für mich. Deshalb entschied ich mich im Februar 2017 dafür, die Ausbildung zum Veranstaltungstechniker in Wien zu machen. Diese schloss ich 2020 mit Auszeichnung ab.  

Tamara Scheiber: Die Jahre um 2020 waren ja nicht einfach für den Veranstaltungsbereich. Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf dich als frisch ausgebildeten Veranstaltungstechniker? 

Khalil Mahasen: Mit der Ausbildung in einer Fremdsprache hatte ich gerade eine große Hürde hinter mir, da war die Pandemie tatsächlich ein Rückschlag für mich. Ich wollte jetzt, da ich nicht mehr mit der Ausbildung beschäftigt war, eigentlich mehr arbeiten, doch viele Veranstaltungen wurden abgesagt oder gar nicht geplant. 

Durch Zufall bin ich in dieser Zeit auf das Stipendium für Migrant Entrepreneurship Support an der Donau-Universität Krems gestoßen. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, einmal selbst ein Unternehmen zu gründen, und das Studium war perfekt, um die dafür notwendigen Kenntnisse zu erlangen. 

Zum Glück fielen außerdem nicht alle Arbeitsfelder im Lichttechnikbereich der Pandemie zum Opfer. Und so konnte ich neben meinem Studium in Krems unter anderem im Tiroler Film- und Fernsehbereich arbeiten. Entsprechende Vorkenntnisse hatte ich dank meiner Praktika in verschiedensten Bereichen, die ich während meiner Ausbildung absolvierte. Von denselben Unternehmen wurde ich in dieser Zeit dann auch immer wieder angefragt.

Tamara Scheiber: Nach deinem Studium hast du dann dein Unternehmen „ZAM EVENTS“ gegründet. Wofür steht das „ZAM“ in der Unternehmensbezeichnung?

Khalil Mahasen: Ja genau, nach dem Abschluss habe ich dann direkt ZAM EVENTS gegründet. Das „ZAM“ steht für das Tirolerische „zusammen“. Denn mein Ziel war und ist es, mit meiner Arbeit Menschen zusammenzubringen. Vor allem meine Erfahrungen in der Aufklärungsarbeit an Schulen und Universitäten für das Rote Kreuz und die Plattform Asyl weckten in mir den Wunsch, auch zwischen den Kulturen zu vermitteln. 

Tamara Scheiber: Auf deiner Website habe ich gesehen, dass du neben großen Projekten wie den Tiroler Volksschauspielen („Zerbrochener Krug“) auch bei kleineren Projekten in der freien Tiroler Kunst- und Kulturszene mitwirkst. Dazu gehören Musikvideos und Filme, aber auch Theaterproduktionen von Vereinen und Studierenden. Was gefällt dir an diesen kleineren Projekten besonders?

Khalil Mahasen: Diese Projekte machen mir am meisten Spaß, weil ich da die gesamte technische Betreuung des Projekts übernehmen kann. Das heißt auch, dass ich an allen Stationen des Projektprozesses beteiligt bin: Von den ersten Besprechungen mit Verantwortlichen über das Lichtdesign bis hin zur Betreuung der Veranstaltung und dem Rücktransport des Equipments. An einem Projekt von der Vorplanung bis zur Nachbereitung mitzuarbeiten und es dann erfolgreich abzuschließen, ist für mich eines der schönsten Gefühle. Außerdem kann ich meiner Kreativität bei kleinen Theaterproduktionen viel eher freien Lauf lassen. Bei meiner Arbeit im Festspielhaus Erl beispielsweise habe ich diesbezüglich weniger Freiheiten. 

Tamara Scheiber: Was sind deiner Meinung nach die Herausforderungen an der Arbeit bei kleinen Projekten bzw. in der freien Szene? 

Khalil Mahasen: Bei großen Projekten sind die Aufgaben auf mehrere Personen aufgeteilt. Es gibt eine technische Leitung, die die technische Planung und Zeichnungen sowie die Einteilung der Techniker*innen übernimmt, Lichtdesigner*innen, die ausschließlich dafür zuständig sind, das Licht zu designen, mehrere Techniker*innen, die nur auf- oder abbauen, und viele mehr. Dabei haben alle Beteiligten einen klaren Aufgabenbereich und werden gut bezahlt. Das ist bei kleineren Projekten ohne großes Team mit klarer Rollenverteilung und ohne fixes Budget anders. Dort werden Geld und Zeit oft knapp und am Ende trägt man dennoch allein die Verantwortung für die Technik. Das sind Schwierigkeiten, mit denen man bei kleineren Projekten häufig konfrontiert ist. Dennoch lohnt es sich am Ende und man wächst mit jeder Herausforderung.

Tamara Scheiber: Welche sind für dich die wichtigsten Eigenschaften, die man im Beruf als Veranstaltungstechniker*in mitbringen muss?

Khalil Mahasen: Neben dem notwendigen technischen Wissen muss man auf jeden Fall lösungsorientiert sein. Bei unvorhergesehenen Zwischenfällen, die nicht selten vorkommen, muss man nämlich schnell mit den passenden Lösungen reagieren können. Geduld und Flexibilität sind in diesem Beruf auch sehr wichtig, zum Beispiel wenn kurzfristig Spezialwünsche von Seiten der Veranstalter*innen oder Künstler*innen geäußert werden. Außerdem muss man, auch wenn man wie ich zu 90 % Licht macht, ein musikalisches Gehör und Rhythmusgefühl für das richtige Timing und die passenden Lichtstimmungen mitbringen. An den bis zu 14-stündigen Arbeitstagen ist zudem eine gewisse Belastbarkeit gefragt, um auch in den frühen Morgenstunden die geforderte Leistung zu bringen. Das Wichtigste sind aber Leidenschaft für den Job und volle Einsatzbereitschaft bei jeder Veranstaltung.

Tamara Scheiber: Was wünschst du dir als Veranstaltungstechniker für die Zukunft der Tiroler Kunst- und Kulturszene?

Khalil Mahasen: Ich wünsche mir ganz klar mehr Unterstützung für kleine Vereine und Organisationen. Denn es gibt in Tirol viele, vor allem junge Menschen, die man schon mit verhältnismäßig kleinen Summen sehr unterstützen könnte. Diese würden nur einem Bruchteil von dem entsprechen, was jedes Jahr in große, etablierte Projekte investiert wird. Davon würden auch nicht nur die Kunstschaffenden selbst, sondern alle Menschen in Tirol profitieren. Denn es braucht die neuen Perspektiven junger und kulturell vielfältiger Künstler*innen. 

| Tamara Scheiber

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