komplex besucht DIAMETRALE – Tag III

Gestern hat das große Finale der DIAMETRALE im Leokino Einzug gefunden – der experimentelle und komische Kurzfilm-Wettbewerb des Festivals. Auch wir haben uns dorthin begeben. Aus über 400 Einsendungen wurden 6 Prachtstücke ausgewählt,  anschließend wurde von einer Jury ein Gewinner erkoren.

Dem Credo des Festivals „neue und unkonventionelle Wege zu finden, um eine Geschichte zu erzählen“ sind jedenfalls allesamt auf mehr oder weniger faszinierende Weise treu geblieben.

komplex-Redakteur Daniel hat die 6 Filme und seine Eindrücke dazu anschaulich zusammengefasst. Ob ihr euch die Geschichten vorstellen könnt?

 

  • City Crush von Mia Forrest (2016)

Der Film beginnt mit einem verwirrten Mönch der mit 3 XXL-Ballons in einem Stadtgraben herumirrt und von einem Auto sichtlich angetuned wird, aus dessen Kofferraum ein halbnackter Albinomann rollt. Der Film endet mit der Taufe ebenjenes Mannes im Kreis anderer halbnackter, sehr hellhäutiger Menschen. Laut Regisseurin Mia Forrest hat der Film kein Narrativ. „It is what it is“.

  • Inês Marches von Tiago Rosa-Rosso (2017)

Ines marschiert durch ihre neue, leere Wohnung und führt ein durch hektisches Körperbewegungen untermaltes Selbstgespräch. Performance-Art-Film.

  • Home Exercises von Sarah Friedland (2017)

Ein sehr deprimierendes Stück Film, das sich mit den „gestural habits and choreographies of aging individuals at home“ beschäftigt. Am Ende rührt uns der Film doch. Die rhythmischen Bewegungen des Abwischen der Küchenoberfläche bringen den Körper einer alten Frau langsam zum Schwingen, was ihren Mann dazu bewegt, sie zu einem stillen Tanz aufzufordern. Dieser berührende Tanz bricht die Monotonie und Tristesse des ganzen Films zum Ende hin auf und hinterlässt uns doch in Melancholie.

  • EAT von Moritz Krame (2012)

Ein Photoshooting. Ein hungriges Model, abgelenkt durch das genüßliche Schmatzen einer Photoassistentin über ihrem Snack. In der Pause im Umkleideraum überkommt sie aufgrund jahrelangen Hungerns eine Fressattacke gigantischen Ausmaßes und beginnt einfach alles zu essen. Rosen, Stuhllehne, Kerzen, Fernsehkabel, Wände, Tapeten, Polster, Spiegelglas. Und am Ende sich selbst. Credits to the Props Department.

  • Gray Umbrella von Mohammed Poustindouz (2017)

In diesem Film des iranischen Regisseurs Mohammad Poustindouz wird einem Mann die ganze Zeit über von einem grauen Regenschirm auf die Glatze gehauen. Am Anfang hasst er es noch, doch zum Ende hin hat er sich so daran gewöhnt, dass er nicht ohne leben kann. „It’s hard to beat a habit“.

  • Mata Laya Pata von Kevin Vu (2018)

begleitet Tracy, eine verzweifelte Mittdreißigerin, vom Typ her eher Underachiever, durch ein bizarres Frauenselbsthilfeprogramm. Am Ende steht sie an der Klippe eines Felsens und wäre mit der Augenbinde, die sie das ganze Programm über auf hatte, beinahe hinuntergestürzt. Sie hörte die letzen Worte auf der sie begleitenden Kassette: „I now take complete control of my life and I am happy and fulfilled by my independence“. Sie blickt sich um. Die Kassette hat ihr aber noch gesagt, dass sie jetzt ihren Körper sterben lassen darf. Wir wissen nicht was sie tut.

 

P.S.: Der Festivalpreis des goldenen Rahmens ging an den Film „Gray Umbrella“.

Anschließend wurden in der p.m.k noch die B-Sides gezeigt. Filme, die für den offiziellen Wettbewerb zu off waren. Und ja das waren sie auch.

 

DP

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