Nach „The Power of Love“ (2025) und „Rodel Jodel“ (2025) eröffnete das FFKK (Fluoro Fleece Kunstkollektiv) am 30. April 2026 eine Ausstellung mit dem Titel „I can fix him!“ in der ART BOX des Klocker Museum in Hall. Dabei wird das Porträt des „grantigen“ Domherrn Gregor Angerer († 1548) vom FFKK an verschiedene Orte in Tirol und darüber hinaus „entführt“. Ich hatte die Möglichkeit, mit ihnen über die Ausstellung sowie die Arbeit im Kollektiv, ihren Einsatz von Humor, ihre Themen, ihr Kunstverständnis und das, was sie sich für die Zukunft wünschen, zu sprechen.

Tamara Scheiber: Wie seid ihr auf den Namen „Fluoro Fleece Kunstkollektiv (FFKK)“ gekommen?
FFKK: Das „Fluoro“ kommt von den fluoreszierenden, also leuchtenden Farben, mit denen wir häufig arbeiten. Wir fanden das Wort immer schon interessant und irgendwie melodisch, weshalb wir es unbedingt in unseren Namen einbauen wollten. Auf „Fleece“ kamen wir im Gegensatz dazu ganz spontan – wegen einer orange Fleecejacke. Beides miteinander verbunden zu „Fluoro Fleece“ hat uns dann direkt überzeugt und so war unser Name geboren. Erst danach bemerkten wir, dass die Abkürzung unseres Namens sehr ähnlich zu „FKK“, also der Abkürzung von „Freikörperkultur“, ist. Das hat uns aber gar nicht gestört, ganz im Gegenteil. Es hat uns nur noch mehr in unserer Wahl bestätigt. Vielleicht ersetzen wir den leicht abgenutzten Begriff „Kunstkollektiv“ in Zukunft durch etwas anderes, aber die Anfangsbuchstaben „FFKK“ müssen auf jeden Fall bleiben.
Tamara Scheiber: Ihr arbeitet ja nicht nur mit verschiedenen Kunstformen, sondern auch in einem großen Team von sieben sehr unterschiedlichen Künstler*innen. Wie sehen eure Arbeitsprozesse aus und was sind die Chancen und Herausforderungen bei der Arbeit im Kollektiv?
FFKK: Ja, genau, wir arbeiten interdisziplinär und setzen uns diesbezüglich auch keine Grenzen. Ob Performance, Literatur, Bildhauerei, Video, Fotografie … alles, was uns gerade reizt bzw. uns ermöglicht, uns künstlerisch zu entfalten, machen wir uns zunutze. Und wie du sagst, sind wir mit sieben Mitgliedern nicht nur ein relativ großes Team, sondern auch alle sehr unterschiedlich – das zeigt sich auch in der individuellen Kunstarbeit, die jede*r von uns abseits der Arbeit im Kollektiv macht. Dazu kommt, dass wir auch alle sehr starke Meinungen haben, die immer wieder aufeinanderprallen. Sowohl was die Themen angeht als auch was die Umsetzung betrifft, sind wir uns oft alles andere als einig. Da kann es schon manchmal ordentlich krachen und dann heißt es, irgendwie einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Doch während unsere Unterschiede uns manchmal Schwierigkeiten bereiten, sind sie gleichzeitig unsere größte Stärke. Denn wo man alleine schon längst anstehen würde, findet in der Gruppe immer irgendjemand einen Ausweg, weil sie oder er wieder eine andere Perspektive auf die Dinge hat. So kommen wir nicht nur schneller voran, sondern auch vom Hundertsten ins Tausendste und spinnen unsere Ideen oft bis ins Unendliche. Das ist oft ein Chaos, aber ein positives! Gott sei Dank gibt es dann auch immer wieder eine Person – lustigerweise ist es jedes Mal jemand anderes –, die den Rest der Gruppe wieder auf den Boden der Realität zurückholt, wenn es gar zu verrückt wird. Wobei unsere Toleranzgrenze, was Verrücktheit angeht, schon sehr hoch ist.
Das scheinbar Unmögliche wird dann durch das Commitment jedes Einzelnen und den starken Zusammenhalt in der Gruppe möglich gemacht. Performances im öffentlichen Raum würde man alleine zum Beispiel nicht immer wagen, in der Gruppe ist man aber mutiger, weil man nie alleine dasteht. Da ist einfach eine sehr gute Vertrauensbasis innerhalb des Teams da, wofür wir sehr dankbar sind. Die Freundschaft erlaubt es uns auch, Dinge direkt anzusprechen, wenn es notwendig ist. Aber glücklicherweise überwiegt eh immer der Spaß, wenn wir zusammen sind. Das Arbeiten in der Gruppe macht auch viel mehr Spaß als alleine. Man verliert da regelrecht das Gefühl für Raum und Zeit, wenn man zu siebt einfach im Tun ist.

Berger-Schiestl, Janine Lou Anne und Rachel Katstaller)
Tamara Scheiber: Meinem Eindruck nach spiegelt sich der Spaß, den ihr beim Kunstschaffen habt, auch in den jeweiligen Endprodukten wider. Wie würdet ihr die Rolle von Humor in eurer Kunst beschreiben?
FFKK: Wir setzen Humor ganz bewusst ein, weil es schlichtweg nichts Einfacheres gibt, um Leute zu verbinden. Die Welt ist oft schon deprimierend genug. Da nutzen wir Humor oft für uns selbst, um nicht in eine Krise zu verfallen. Und weil es uns hilft, wollen wir auch andere damit anstecken. Am besten auch den Protagonisten unserer aktuellen Ausstellung „I can fix him!“, dem einstigen Domherren von Brixen, Gregor Angerer. Angerer war im Volksmund als richtiger „Grantler“ bekannt. Für unser Projekt haben wir ihn, also sein Porträt, zum Schein aus dem Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen entlehnt, um ihm die Welt zu zeigen und ihn somit davon zu überzeugen, dass er nicht immer grantig sein muss, sondern sehr wohl Grund zum Lachen hat.
Tamara Scheiber: In der Ausstellung „entführt“ ihr Angerers Porträt aus dem Archiv der Tiroler Landesmuseen und bringt es an verschiedenste Orte in Tirol und über die Landesgrenzen hinweg. Wie kam es zu der Idee?
FFKK: Da das Ferdinandeum aktuell geschlossen ist und die Menschen somit nicht zur Kunst kommen können, wollten wir die Kunst zu den Menschen bringen. Gleichzeitig wollten wir dem Gemälde bzw. dem porträtierten Gregor Angerer auch die Chance geben, einmal rauszukommen aus seinem behüteten Museumszuhause. Zu unserem Glück waren die Tiroler Landesmuseen sehr entgegenkommende Kooperationspartner und so begleitete uns das Gemälde dabei zum Wäschewaschen in den Waschsalon, zum Skitag mit anschließendem Après-Ski, ins denkmalgeschützte Dampfbad in der Innsbrucker Salurner Straße, zum Innsbrucker Flughafen und nach El Salvador für einen Heimatbesuch unserer Kollegin Rachel Katstaller.
Dabei wirkt nicht nur das Bild auf die Umgebung, sondern umgekehrt lässt auch die Umgebung das Bild immer etwas anders erscheinen. Es ist eine durchaus humorvolle Auseinandersetzung mit unserer Heimat Tirol. Mit Tirol und seinen Traditionen haben wir uns schon in anderen Projekten beschäftigt. Doch genauso wie beim Thema Liebe war uns auch hier immer wichtig, dass die Auseinandersetzung in einem positiven Kontext und mit Leichtigkeit passiert. Oft beobachten wir nämlich, dass Menschen nur verhalten auf Kunst reagieren bzw. nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Wir möchten ein bisschen mehr Lockerheit im Umgang mit Kunst hineinbringen. Kunst soll nichts sein, das exklusiv für wenige ist, sondern sie soll jeden abholen und Themen behandeln, bei denen sich jeder wiederfindet.
Tamara Scheiber: Wie geht es nach „I can fix him!“ weiter? Was sind eure Visionen und Wünsche für die Zukunft?
FFKK: Wir haben uns sehr gefreut, dass das Klocker Museum auf uns zugekommen ist und wir die Möglichkeit bekommen haben, dort auszustellen. Es wäre schön, wenn wir in Zukunft öfter auf diese Weise zu Engagements kommen. Gleichzeitig kommen wir leider sowohl finanziell als auch platztechnisch immer wieder an unsere Grenzen. Wir sind nun schon seit einem halben Jahr auf der Suche nach einem Atelier. Wir würden uns wünschen, dass sich die Tiroler Kunstszene noch etwas öffnet und neuen Akteur*innen wie uns mehr Chancen gibt, sodass wir den Raum haben, den wir brauchen und im besten Fall auch irgendwann von unserer Kunst leben können. Am allerwichtigsten ist aber, dass wir den Spaß nicht verlieren in der doch oft etwas zu ernsten Kunstwelt.
| Tamara Scheiber
Die Ausstellung „I can fix him!“ läuft noch bis 8. November 2026 in der Art Box im Klocker Museum in Hall. Außerdem betreibt das Fluoro Fleece Kunstkollektiv (FFKK) die Schaufenstergalerie „del Ponte“ (@del_ponte_gallery) in der Pradler Straße in Innsbruck.
