komPOST #59 [S. Grasberger, G. Bánkúti]

In der vorletzten komPOST-Ausgabe des Jahres verweben sich unterschiedliche Gesprächsszenen zu sozialen Teppichlandschaften. Svea Grasberger performt in ihrem Text ein skurriles inneres Theater vor einer einzigen Zuschauerin; Gergő Bánkúti malt einen Moment der Begegnung zwischen drei Frauen in Beobachtungsposition.

/ In the penultimate komPOST-issue of the year, different conversational scenes intertwine into social carpet landscapes. In her text, Svea Grasberger performs a bizarre inner theatre for a single spectator; Gergő Bánkúti paints a moment of encounter between three women in an observing position.


The Three Sisters

Gergő Bánkúti, 2026

160 x 167 cm; oil, pastel and collage on canvas, 2026

theater theater

Svea Grasberger, 2026

am liebsten würde ich mein herz erbrechen, es durch meine zahnzwischenräume quetschen
die natürlich frisch geputzt sind
, weil mama das so will
dann in eine holzbox quetschen
mich präsen
tieren und schreien: „SCHAU MAL PAPA, ICH BIN KÜNSTLERIN!“

die box soll gerade groß genug sein, um für das herz zu klein zu sein. schließlich baue ich im 2. akt eine performance ein. und der wäre ohne körperliche betätigung erschöpfend.

vorhang auf, ich betrete die bühne. im zuschauerraum ist nur eine person. sie gibt keinen applaus, schaut mich nicht an, wenn ich mich bücke und wenn der scheinwerfer auf sie fällt, verlässt sie den raum. wahrscheinlich steht sie überhaupt nur da, weil ich einen spiegel in reihe 12 sitz 3 plaziert habe.

ich werfe mich in mein redegewand und spreche den text in meinem kopf. ohnehin niemand da, der zuhören kann.

schau hin, ohren auf,
ach, hast ja keine – ich spring von der bühne und kleb dir welche drauf

siehst ganz schön blöd aus mit 2 paar ohren?
ich nicke und du stimmst mir zu

ich dreh mich um und reiss den vorhang von der wand
ein ungewöhnlicher einstieg in akt 2

ich betrachte meine hand und:

verweb meine finger und drück zu, bis mir die glieder aus den gelenken springen
am boden liegend, hüpfen sie sich tot,
wie des kleinen drachen schwanz.

„sie werden sich formieren, zu den grausigsten
mustern und werden dich sichtbefreit mustern, bis es dich
schaudert sie
werden tot
über deinen körper krabbeln, während du sie am boden liegen siehst.
hab keine schau oder hab sie, das interessiert sie nicht.

also verweb deinen körper mit deinen schwestern und müttern
fühlt euch stark, während ihr unter und über einander
leidet verwebt euch zu einem patriarchalen teppich – immer im abverkauf
immer im eck – matriarchialer concord
zum absturz verdammt

3 beschädigt, alle tot.“

singe ich

ich kann die 3 nun nicht mehr zeigen, also zeig ich meine zunge
und das publikum zurück.

applaus gibts keinen
wackelstümpfe theaterstück


The House of the Living

Gergő Bánkúti, 2026

310 x 240cm; oil, pastel, textile, beads and sticker, 2026

The komPOST series presents monthly artistic submissions in a wide variety of media. The works are selected and combined by the editorial team of komplex–KULTURMAGAZIN.

If you also want to be part of komPOST, read our open call and submit your works. 


BIOS

Svea Grasberger

mein körper wohnt und arbeitet in wien daran, bei all den verrückten nicht durchzudrehen und unter all den gewöhnlichen nicht aufzufallen. groß. 22. SVEA.

Gergő Bánkúti

His contemporary magical realism is permeated by references to local characteristics and the persistence of folk beliefs and superstitions. Mysticism, symbolism, and intensely lyrical, metaphorical imagery emerge within a rural environment through personal and familial relationships. He explores superstitions, customs, material culture, and religious traditions as well as the collective and personal processes of remembrance. The majority of his works revolve around the legacy of our ancestors. In his most recent works he has placed great emphasis on grief, family memories, inheritance, death and the afterlife.

gergobankuti.com / @bankuti_gergo

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