Blümchen im Kommerzdjungel

Kleine Wellen, große Wirkung: Am Samstag, den 6. April 2019 gings in die 15. Runde der Wie Wir Leben Wollen Diskussionsreihe, die regelmäßig im Wiltener Spielraum für Alle stattfindet. Dieses Mal stand die Veranstaltung unter dem Thema „Das Große im Kleinen verändern“.

wie wir leben wollen - Diskussionsrunde

Foto: Alena Klinger (wie wir leben wollen)

Im Gespräch mit den kreativen Köpfen und Gründern Patrick Huemer und Clemens Maaß wird das Projekt als „Schnittstelle zwischen akademischen Diskurs und Zivilgesellschaft“ beschrieben. Bunte Themen allerlei werden aufgetischt – Gemeinsamkeit ist ihre „soziale Relevanz“.

Alena begrüßt mit einem warmen Lächeln, fragt gleich, ob wir etwas trinken wollen. Mit einer akademischen Viertelstunde beginnt die Lesung mit einem Poetry Slam um Viertel nach Sieben, denn „wenn wir sagen es beginnt um 19 Uhr, ist unser Publikum sicher nicht pünktlich da“, sagt Patrick schmunzelnd. Ungefähr jeden Monat gibt es eine Diskussionsrunde, die immer aus einem praktischen und einem theoretischen Teil bestehen soll. Daher auch die Idee: nur akademischer Diskurs scheint manchmal zu realitäts- und gesellschaftsfremd, durch praktische Beispiele wird dieser konkretisiert. Und die Praxis wird durch die Theorie untermauert – eine wechselseitige Beziehung, die in dieser Gesprächsrunde gut veranschaulicht wird.

Die Kindheitsfreunde Clemens und Patrick haben schon viele kulturelle Projekte gehegt und gepflegt bevor der Spielraum in Wilten auf sie zukam und ihnen den Raum für ein weiteres gab und auch darum bat. Auch dabei bei diesem Projekt ist Alena Klinger, weitere kontinuierliche Mitglieder hat das Dreiergespann aber leider nicht – laut Clemens die größte Schwierigkeit. Es wäre eine große Unterstützung, „sich auf breitere Schultern stellen zu können“. Warum das so ist? Man könnte meinen, für ein solches Projekt ließen sich viele begeistern. „Tu das, tu jenes, gibt es bei uns nicht. Jeder macht alles selbst und trägt die Verantwortung“, so Clemens. Es sind gerade die persönlichen Kontakte zu Diskussionspartnern, die mit mehr Mitgliedern Hand in Hand gehen würden, genauso wie dauerhaftes Unter-die-Arme-Greifen, nicht nur „punktuelle Unterstützung“ – ein großer Wunsch der Truppe. Das Projekt ist bunt, Ideen sprießen wie wild aus den Köpfen der beiden – auch ein Grund, so Patrick, der dafür verantwortlich sein könnte, dass das Team zu dritt bleibt. Sicher eine Schwierigkeit der Organisation – das Publikum freut sich allerdings sicher über die vielen kreativen Einfälle, die unter mehreren Mitgliedern vielleicht verloren gehen würden.

Es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre, wenn Katrin mit ihren Texten beginnt: Ein bunter Salat mit zentralem Thema: selbst denken, denn „vom Hamsterrad aus rebelliert es sich schlecht“, deswegen sollen wir aufhören „Buntstifte zu kaufen“ und alle „Engerl“ sollen sich ein „B kaufen“. Eine gute Einleitung für das Thema des Abends: „Das Große im Kleinen verändern. Zur Gestaltungskraft kleinstrukturierter Initiativen“. Eingeladen sind Janine Bex von Pioneers of Change, Hannes Sucher vom Kostnix Laden Innsbruck, und Klaus Jahnel von der Vogelweide Innsbruck.

Vielfältige Ansätze – gemeinsame Anliegen? Gegen den Kommerz – sei es die Kommerzialisierung des privaten Raumes bei der Vogelweide, oder der Konsum der Gesellschaft beim Kostnix Laden. Eigeninitiative wird großgeschrieben, Partizipation steht vorne an – nicht nur bei Pioneers of Change, sondern bei allen drei Projekten. Solidarität, Gleichgesinntheit und Eigenverantwortung werden gefördert; man ist gegen Ausgrenzung, Kommerz und Kapitalismus. Die Motive wurden sehr deutlich bei Hannes und Klaus, die auch mit viel Humor zugeben „die Leute, die bei uns sind, haben doch oft andere Qualitäten als Zuverlässigkeit“ (Hannes) oder „ich bin der Meinung, dass die Idee einfach gut ist“ (Klaus). Bei Janines Vortrag wurde leider nicht ganz klar, was die Pioneers of Change eigentlich tun – sie sagt selbst, sie sei Politikerin bei den Grünen – ein Grund für die Verschleierung?

Bei allen zeigt sich aber deutlich: Kleine Wellen, große Wirkung. Jeder einzelne bringt einen Stein ins Rollen und baut mit an einer alternativen Community, die anderen Regeln unterliegt, als die sonst kapitalistische und kommerzielle Gesellschaft. Natürlich wird dadurch nicht die ganze Stadt bunt und grün – aber kleine Blümchen gestalten die große graue Konsumgesellschaft doch etwas schöner.

Wir sind jedenfalls gespannt auf das nächste Thema und die nächste Diskussion!

RD

 

Links:
facebook: wie wir leben wollen
Spielraum für Alle – Kochlokal

 

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