Ein kultureller Blick über die Grenzen Tirols – die Oper im Steinbruch St. Margarethen

Für Opernliebhaber*innen ist der Vorstellungsbesuch in St. Margarethen im Burgenland ein kulturelles Naturerlebnis. In Mitten eines Steinbruchs entsteht jedes Jahr aufs Neue eine spektakuläre Naturbühne, die die schönsten Opern der Musikgeschichte spielt.

Oper im Steinbruch St. Margarethen, FOTOCREDIT: Andreas Tischler

Zauberflöte 2019 | Foto: Andreas Tischler

Entstanden ist diese Landschaft ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Der dort abgebaute Kalksandstein fand unter anderem bei der Renovierung des Wiener Stephansdoms und beim Bau zahlreicher Wiener Ringstraßenpalais Verwendung. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde auf dem Kogel erstmals künstlerisch gearbeitet. Unter dem burgenländischen Steinbildhauer Karl Prantl wurden den Sommer über Steinblöcke bearbeitet und im Gelände hinterlassen. Der Kogel ist nicht nur kunstgeschichtlich von großer Bedeutung, sondern auch wegen seiner Flora und Fauna und gehört seit 1991 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Karl Prantl initiierte ebenfalls die Verlegung der Passionsspiele, die seit 1926 aufgeführt werden, in den Steinbruch. Somit wurde der Ort erstmals 1961 zur Freilichtbühne. Die Geschichte der Opernfestspiele St. Margarethen beginnt im Jahr 1996, als Wolfgang Werner das Wagnis unternahm, eine Nabucco-Produktion zu zeigen, wofür es kaum eine entsprechende Infrastruktur gab. Zu den drei Vorstellungen 1996 kamen 11.000 Besucher*innen, vier Jahre später waren es bereits 100.000 und zu Spitzenzeiten mehr als 200.000, für die das Gelände nach und nach besuchergerecht ausgebaut wurde.

Im Jahr 2014 übernahm nach finanziellen Turbulenzen die Arenaria GmbH, eine Gesellschaft der Esterhazy Betriebe, die Veranstaltung der Oper und wagte mit „Tosca“ in der Inszenierung des Hollywood-Regisseurs Robert Dornhelm einen Neustart. Die Oper im Steinbruch liegt seit Beginn des Jahres 2019 in den Händen des neuen künstlerischen Leiters Daniel Serafin.

Für ein Meisterwerk wie „Die Zauberflöte“ ist es gelungen ein ebenso meisterhaftes und gleichzeitig erfahrenes und heimisches Regieteam zu engagieren. Carolin Pienkos und Cornelius Obonya sind für die diesjährige Inszenierung verantwortlich und mit Raimund Bauer als Bühnenbildner ist die Produktion ein voller Erfolg.

In bisher noch nicht dagewesenem Ausmaß bezieht Raimund Bauers Bühnenbild für „Die Zauberflöte“ die Landschaft des Steinbruchs in den Entwurf mit ein, vereint also Natur und Kultur, Gewachsenes und von Menschen Geschaffenes. Das Regie-Team formuliert mit diesem Bühnenbild auch den unbedingten Glauben an die Überwindung aller menschlichen Konflikte und Kämpfe. So stehen sie Seite an Seite mit Mozarts Utopie einer besseren Welt, einer harmonischen Vereinigung von Himmel und Erde, von Mensch und Kosmos. Die Kugel als idealer geometrischer Körper steht für diese Utopie. Aus vielen Kugeln formt sich hier ein ebenfalls rundes Tor, das zum Weg der Prüfungen und Versuchungen wird: Durch einen trichterartigen Sog entsteht ein gleichsam kosmisches Tor, dass wir Menschen durchschreiten auf dem Weg in eine bessere Zukunft.[1]

Wie jedes Jahr wurde auch speziell für „Die Zauberflöte“ ein neues Tonkonzept mit einer Tonanlage am neuesten Stand der Technik entwickelt. Ziel ist es, den Ton möglichst differenziert abzunehmen und wiederzugeben schließlich wurden mit dem Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft, unter der musikalischen Leitung von Karsten Januschke, und dem Philharmonia Chor Wien ausgezeichnete Klangkörper engagiert.

Die Kostüme für die diesjährige Produktion wurden von Gianluca Falaschi entworfen. Gefertigt wurden diese in Rom in der Kostümwerkstatt „The One“. Natürlich müssen die besonderen Bedingungen einer Freilichtaufführung bei der Gestaltung von Kostümen berücksichtigt werden. Seit Anfang Mai arbeitet die Kostümwerkstatt an der Fertigung von insgesamt 130 Kostümen, Masken, Kopfschmuck und daran, 150 Paar Schuhe herzustellen bzw. zu ändern. Die Schuhe kommen dieses Jahr aus einer der berühmtesten Schuhmanufakturen in Pompei. Die 40 Statisten*innen, die Burschen der Florianer Sängerknaben, der Philharmonia Chor und die Sänger*innen wechseln auch für einige Szenen das Kostüm. Sechs Garderobieren unter der Leitung von Doris Lackner-Schatek machen vor der Vorstellung noch kleine Reparaturen, putzen Schuhe und bügeln Roben auf. Sie helfen auch beim Ankleiden bzw. bei Umzügen während der Vorstellung. Die Maskenabteilung unter der Leitung von Regina Tichy beginnt ca. 2,5 Stunden vor der Vorstellung die Darsteller zu schminken.

Zum Inhalt der Zauberflöte:

Der Prinz Tamino wird von der Königin der Nacht entsandt, ihre Tochter Pamina zu retten, die von Sarastro entführt wurde. Ihm zur Seite gestellt wird der Vogelfänger Papageno. Tamino erhält eine Zauberflöte, Papageno ein magisches Glockenspiel um wilde Tiere zu zähmen, Prüfungen zu bestehen und Rätsel zu lösen. Wer wird siegen – Nacht oder Tag? Gut oder Böse? Am Ende bleibt allein die Liebe als Siegerin. Prinz und Prinzessin finden zueinander, gehen miteinander durch Feuer und Wasser, und auch der Vogelfänger darf sein „geliebtes Täubchen“ in die Arme schließen.[2]

 

[1] Zitat: Oper im Steinbruch, URL: https://www.operimsteinbruch.at/program/Oper%202019#b00fchnenbild (14.08.2019).

[2] Zitat: Oper im Steinbruch, URL: https://www.operimsteinbruch.at/program/Oper%202019#handlung (14.08.2019).

 

ST

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