Ökologisches Kinoprogramm als Augenöffner

Im Taxispalais Kunsthalle Tirol findet vom 23. August bis zum 10. November 2019 eine etwas andere Form von Ausstellung statt. Unter dem Namen „Ökokino“ wird mit unterschiedlichen Kurzfilmen, in einem einladenden Ambiente, auf die aktuellen klimatischen Probleme unseres Planeten aufmerksam gemacht. Dabei stellt sich die Frage „wie wir zu einer lustvoll responsiven Beziehung zum Planeten gelangen können. Wie könnten wir nicht- anthropozentrische Ökologiken erzeugen, mit denen wir aufhören, in persönlichen Rechten und ausgeglichenen Tauschverhältnissen zu denken, und stattdessen Konzepte von Fürsorge und Empathie modellieren, die das Wohlsein aller Wesen anstreben? Könnten wir uns im Rückbesinnen vorwärtsbewegen, zu einem Resonanzraum finden, in dem wir mit den planetarischen Bedürfnissen schwingen? Was, wenn wir uns selbst in einem Kontinuum mit dem Nicht-Menschlichen und dem Nicht-Tierischen verorten – in einer bejahenden, vielleicht sogar libidinösen Beziehung? Könnten wir uns so vom Gedanken befreien, dass wir Verzicht üben müssen und uns stattdessen auf die Lust konzentrieren, Verbundenheit mit anderen zu erleben – mit Pflanzen, Tieren und Mineralien?“

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Kuratiert von Tina Tabassomi, wurde das Taxispalais in ein Kino mit vier Sälen umgewandelt. Die im ersten Saal gezeigten Beiträge laufen unter dem Titel „Vorspann“.  Unter anderem werden zwei kürzlich abgehaltene Reden der Aktivistinnen Greta Thunberg und Lucia Steinwender abgespielt.

Unter dem Titel „Vorschläge“ werden im zweiten Saal Möglichkeiten, wie wir „die Gleichung von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur_innen lustvoll umformulieren könnten“, gezeigt. Mit dabei ist z. B. ein Beitrag von Donna Haraway. Sie ist vor allem dafür bekannt, „die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine aufzubrechen, den Geschlechteressentialismus herauszufordern und die der menschlichen Faszination für Primaten zugrundeliegenden Annahmen mittels einer postkolonialen Linse zu überprüfen“.

Im dritten Saal „Vorläufer_innen“ sind deren Akteur_innen Thema der gegenwärtigen Diskussion. Beispielsweise gibt Greta Gaard mit „Ecofeminism Now!, 1996“ eine Einführung in die Theorie und Praxis des Ökofeminismus. Jay L. McMullen hingegen analysiert mit seinem Beitrag „The Silent Spring of Rachel Carson, 1963“ die Kontroverse rund um den Einsatz von Pestiziden, die durch das von Rachel Carson 1962 veröffentlichte Buch „Silent Spring“ ausgelöst wurde.

Die „Praktiken“ im vierten Saal weisen auf existierende Praktiken hin, die als ökofeministisch gelten können, ohne selbst diesen Anspruch zu erheben. Eine dieser ist „Vivian’s Garden, 2017“ von Rosalind Nashashibi: „Vivian’s Garden zeit die Beziehung zwischen zwei österreichisch-schweizerischen Künstlerinnen, Elisabeth Wild (geboren 1922) und Vivian Suter (geboren 1949). Der Film spielt in den miteinander verbundenen Häusern, die sich Mutter und Tochter in einem Garten in Panajachel, Guatemala, teilen, wo sie in einer matriachalischen Verbindung mit der Umgebung leben, die sowohl Zuflucht als auch Angst hervorbringt. Haus und Garten, die sie mit Hilfe von indigenen Dorfbewoher_innen instand halten, erscheinen zugleich als Orte der Heilung und des Schreckens. Der Film wirft einen genauen und intimen Blick auf ihr künstlerisches, emotionales und ökonomisches Leben. Rituale der Fürsorge und die komplizierte Mehrdeutigkeit ihrer kolonialen Situation – vor der der Film nicht zurückschreckt – werden mit Bildern kombiniert, die die extrem enge Verbindung zwischen Mutter und Tochter sowie das sinnliche Leben mit dem Garten dokumentieren.“

Mit der Ausstellung „Ökokino“ wurde somit ein weiterer Zugang, wie sich interessierte Menschen unter anderem mit dem Thema Klima auseinandersetzen können, geschaffen. Die „ökologische“ Atmosphäre in den einzelnen Sälen wird durch die Schalldämpfung mit natürlichen Werk- und Rohstoffen hervorgerufen – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

 

ST

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