THOMAS SCHAFFERER schafft kulturelle Begegnungen mit Herzblut

Hier blüht Kunst und Kultur wahrlich auf: Seit dem 10. Mai besitzt das Wipptal offiziell ein kulturelles Herz, in dem heiß debattiert, gearbeitet und ausgetauscht, inspiriert, unterhalten wie gleichermaßen an einem breiten Kulturbegriff gefeilt wird. Mittendrin steht Allroundkünstler Thomas Schafferer, der seine Philosophie niederschwelliger Kulturvermittlung nach außen trägt.

Ein reiches Veranstaltungsprogramm vereint bildende Kunst, Fotografie, Film, Literatur und Musik regt die lokale Bevölkerung zur Aktivierung an: „Ich möchte einen Dialog einleiten, wo jeder und jede vor den Vorhang gebeten werden kann.“

Thomas Schafferer | Bild: Daniel Furxer

Eine dichte Menschenmasse versammelt sich am 10. Mai vor der sogenannten „Kulturraststation Wipptalherz“ in der Brennerstraße 86, bereit, das Tal kulturell aus der Reserve zu locken. Die Intention des Projektes scheint angekommen zu sein, sowie ein derart partizipativ angelegtes Kulturprojekt eigentlich erst durch die Beteiligung der Menschen zum Leben erweckt werden kann. Was Thomas Schafferer bewusst war, lastete doch nach der organisatorischen „One-Man-Show“ eine hohe Erwartungshaltung auf ihm. Das von „KÖR Tirol“ geförderte Experiment, Kunst und Kultur direkt im Alltag zu verankern und ganz unmittelbar und hemmungslos quasi zwischen Tür und Angel unter die Leute zu bringen, scheint jedenfalls aufzugehen:

„Der Start war grandios, voll mit irrsinnig tollen Begegnungen und Debatten. Es fühlt sich nun an wie zuhause angekommen, nun ist der Druck ein wenig abgeworfen und macht Platz für die Leichtigkeit“,

so Schafferer. Ob bewusst oder unbewusst, organisatorisch wurde wahrlich das kleinste Detail abgestimmt: Wie ausgemalt erhebt sich das Begegnungszentrum genau an der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofes, einem Ort der paradigmatisch für Ankunft, Erfrischung und Neubeginn steht, um durch die breiten Schaufenster auf die Gleise reflektierend, Ankömmlingen wie Vorbeispazierenden sofort einen Gruß nach draußen zu senden und wie von selbst zu einem Austausch einzuladen. Was Schafferer möchte, ist Menschen in Dialog zu bringen. Ihnen die Schlüssel in die Hand zu geben, um das Kunstleben der Umgebung durch Mitbestimmung und Mitgestaltung augenscheinlich zu machen. Und so auf luftig-lockere Weise künstlerische Positionen ans Tageslicht zu bringen, die im engen Kanon der Kunst gemeinhin untergehen. Kommen so nicht ganz neue Inspirationsquellen zum Vorschein, die durch ihren oftmals unbeschwerten Zugang einen ungemeinen Mehrwert leisten können und das ausdrücken, wovor Andere sich nicht die Finger verbrennen möchten? Die Freiheit der Kunst wird im „Wipptalherz“ gelebt und gleichzeitig zelebriert. Kunst und Kultur von allen und für alle, könnte das Motto lauten. Sowie auch eigene Kunstwerke Schafferers im Atelier aufflackern werden, die Ausgestelltes abrunden und mit einer weiteren Komponente bereichern:

„Es ist das Sichtbarmachen eines Künstlers, der im Alltag arbeitet und in Dialog tritt mit den Menschen und Künstler:innen der Umgebung.“

Im Gespräch mit dem Künstler zeigt sich sofort: Sein Herzblut schlägt seit Tag eins für dieses Unterfangen, wie es doch gewissermaßen seinen eigenen künstlerischen Zugang auf den Punkt bringt. Was sofort ins Auge sticht, betritt man das fein eingerichtete und sich nun stets mit unterschiedlichen künstlerischen Positionen erweiternde Atelier in Matrei. Hier schlägt ein breites Kulturverständnis auf fruchtbarem Boden. Ödes Schubladendenken ist dem Kunstschaffenden Schafferer sowieso zuwider, er lässt sich nicht gerne in eine Ecke drängen, sondern erfindet sich gewissermaßen immer neu, sowie er in verschiedenen Gewässern der Kunst angelt. Schafferer selbst ist ein wahrer Universalkünstler. Er eckt an, fügt zusammen, reißt Hemmschwellen ein, sowie er Tabus und normative Denkmuster mit künstlerischem Mittelfingerzeig schonungslos aufbricht. Nebenbei ist sein eigenes künstlerisches Schaffen wie eine Collage, die sich aus unterschiedlichen Sparten zusammenfügt und stets in neue, unerforschte Gebiete vordringt. Es gibt wahrlich kaum einen Bereich, den der Künstler nicht bedient oder schon bedient hat. Wie es auf seine momentane Eingebung, seine Lust und Laune ankommt, welches Ausdruckmittel er für sein Werk auswählt. Von seinen schriftstellerischen Tätigkeiten geht er oft nahtlos über in die Malerei, um dann in den Bereich der Fotografie und Videokunst auszuufern, sowie er auch im Verfassen eigener Songs musikalisch tätig wird. Sein aktuelles, in Zusammenhang mit der Kulturraststation entstandenes Tagebuchprojekt demonstriert eindrücklich, was Schafferer als Künstler ausmacht: „In diesem Projekt dokumentiere ich jeden Tag in Form eines Bildes, eines Textes und eines Kurzvideos meine Eingebungen. Nach dem organisatorischen Marathon werden sich nun noch aber weitere Projekte hinzugesellen, wo ich noch mehr auf Experimente einlassen möchte“, gibt Schafferer einen kleinen Vorgeschmack zu dem, was kommen wird. Jedenfalls werden seine eigenen Projekte subtil mit dem „Wipptalherz“ einhergehen, einen Dialog zu den Positionen anderer Künstler:innen aufreißen und so ebenbürtig neben ihnen stehend zu einem harmonischen Austausch einladen, der inspiriert, wertschätzt und ganz alltäglich das zum Vorschein bringt, was gemeinhin übersehen wird. 

im Wipptal | Bild: Daniel Furxer

Den Auftakt im „Wipptalherz“ macht eine Ausstellung von Victoria Hörtnagls Fotografien und Walter Reitmairs Aquarellen und damit ein Zusammenstoß einer jungen, unbedarften Künstlerin auf etablierte künstlerische Positionen eines alteingesessenen Malers, sich gegenseitig befruchtend. Quasi einen generations- und spartenübergreifenden Dialog aufreißend, wird hier das facettenreiche Programm ersichtlich, das die Kulturraststation initiieren möchte. Ganz gleich ob alt oder jung, etabliert oder aufstrebend, ganz gleich Experte und Interessierte, das „Wipptalherz“ kennt keine Unterschiede, alle sollen voneinander lernen. Begleitet von offenen Diskussionsabenden direkt aus dem Alltag, ergibt sich dann ein breites Feld an Kunst und Kultur, dass auch den Blick über den Tellerrand hinaus richtet und Acts aus der Ferne mithinein holt, die jedoch vielmehr zur Untermalung und Ergänzung dessen gelten, was im Inneren bereits vorhanden ist. Neben regelmäßigen Tagen der offenen Tür, die Alltagsthemen zum Ausgangspunkt nehmen um gesellschaftlich-kulturelle Diskurse anzufachen, wird es ein spezielles Programm an den Tiroler Tagen des offenen Ateliers am 25. und 26. Juni geben, bestehend aus Lesungen und einem künstlerischen Spaziergang durch „Thomas Schafferers Matrei“. Und gerade weil es die Intention ist, Menschen zusammenzubringen, wird sich der Künstler dann und wann aus dem besuchbaren „Käfig“ des Ateliers in einzelne Gemeinden hinausbegeben, um in eigens organisierten Workshops, Malwerkstätten und Erzählcafés dort anzusetzen, wo die Resonanz des „Wipptalherzes“ vielleicht nicht laut genug wurde. Wie ein Archäologe legt er Verborgenes frei, gräbt tiefer und tiefer, und gleitet in jene Gebiete der Kunst und Kultur, die nur allzu oft ausgeklammert werden. Das alles, um Kunst und Kultur ein Stückchen näher zu den Menschen bringen.

Thomas Schafferer möchte seinen Beitrag dazu leisten, das Wipptal aus dem kulturellen Dornröschenschlaf zu wecken und Menschen zusammenzutrommeln, um gemeinsam etwas Bleibendes auf die Beine zu stellen. Auf subtile Weise macht er diskursiv im Gemeinklang mit der lokalen Bevölkerung sichtbar, was sich tief im Herzen verborgen im Wipptal regt. Das Wipptal hat so einiges an Kunst und Kultur zu bieten, doch so manches liegt auch versteckt in den Schubladen der Künstler:innen. Dies beispielhaft hervorzuheben, ist jene Kunst, die Schafferers Herz laut und unüberhörbar schlagen lässt. Und unseres gleich mit.

| ein Gastbeitrag von Florian Gucher

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