Heart of Noise Warm-Up mit Akkubohrer und Megafon

Am Samstag spielten drei Künstler ein Warm-Up für das Heart of Noise Festival Ende Mai. Verhaltene Shows und laute, seltsame Musik.

Der Gitarrist Ardan kniet auf der Bühne vor 37 Effektgeräten und drückt oft mehrere mit beiden Händen. Ardan war der erste von drei Künstlern beim Heart of Noise Warm Up in der p.m.k. Wie in dem Cockpit eines Raumschiffes navigiert er durch einen undefinierten Raum, mithilfe vieler Knöpfe, Regler und blinkender Leuchtdioden. Selten gibt es einen Zusammenhang, Struktur schafft höchstens das Loop-Gerät, das Fragmente wiederholt abspielt. Die Absurdität geht soweit, bis ein Akkubohrer ins Spiel kommt, und Ardan durch eine Art Megafon zu seiner Gitarre spricht. Geklatscht wird selten.

Die Warm Up Konzerte fanden am Samstagabend quasi als Vorkost statt. Das Heart of Noise Festival wird vom 30.05. bis 02.06.2018 an verschiedenen Orten in Innsbruck lärmen. Das heurige Motto ist „Decocooning Society“. Die Künstler wirkten aber als würden sie ihren Kokon gerade erst bauen.

Auch Treibgut, als DJ nur mit Laptop und Mixer ausgerüstet, erinnert an einen Science-Fiction-Soundtrack. Für seinen Auftritt legt er langsame Ambient-Musik auf, verschwindet kurz Backstage und erscheint dann wieder. Ohne viel Tamtam. Dann mischen sich dumpfe Beats mit dem Kreischen einer Kreissäge. Wandelbar ist das Set von Treibgut. Irgendwann erklingen Bambusstöcke und Töne, als tröpfelte es. Mal vereinzelt, dann intensiver, bahnt sich ein Drop an und kommt dann doch nicht. Es bleibt arhythmisch untanzbar.

Naked aus London besteht aus dem DJ Alexander Johnston und der „Sängerin“ Agnes Gryczkowska, die meistens eher schreit. Zu Beginn des Konzerts führt sie eine kleine Houdini-Einlage der Entfesselung vor. In Freiheit springt sie dann über die Bühne und im Publikum, und headbangt bis ihre Zöpfe peitschen. Der Sound, der von der Bühne schallt, setzt sich zusammen aus Tonschnipseln von Sexualakten und Erbrechen. Genau ist das aber nicht herauszuhören. Vielmehr ist es verdichteter Noise, der in voluminöser Lautstärke Ohren und Bauch einiges zumutet.

Die Bands vom Samstag sind beim Heart of Noise Festival nicht mehr zu sehen, es wird aber in ähnlicher Manier weitergehen. Auch wenn die Musik sehr seltsam und teilweise schwer auszuhalten war, ist dem Herz des Lärms schon sehr nahegetreten worden. Wenn das das Warm-Up war, dann wird das Festival wohl eher unbeständig.

LG

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