INFF-NATURDOKU-WINNERFILM „White Wolves – Ghosts of the Arctic“

Eine Rudel Wölfe in einer Eiswüste. Der tote Kadaver eines Bison als Futterquelle in dieser unwirtlichen Landschaft. So beginnt Oliver Goetzls meisterhafte Naturdoku über das Leben der arktischen Wölfe. Wir befinden uns knapp 800 Kilometer vom Nordpol entfernt auf der Queen-Elizabeth Inselgruppe im äußersten Norden Kanadas. Genauer gesagt auf Ellesmere Island, der zehntgrößten Insel unserer Erde.

Und doch existiert Leben dort. Vielfach eingefangen auch für den Kinobesucher. Vögel natürlich, Herrscher der großen Himmelsweite und selbst dem Wolfe kein Opfer. Aber auch Schneehasen (die erwachsenen Tiere zwar schneeweiß aber die Jungtiere im Sommer mit Camouflage um sie vor Raubtieren zu schützen), verspielte arktische Füchse, welche kopfüber in den Schnee springen, um die unter der Schneedecke hausenden Murmeltiere als Beute zu ergattern. Gigantische Bisons mit zotteligen bodenlangen Haaren. Friedliebende Herbivoren und dennoch schallt ein markerschütterndes Geräusch durch den Kinosaal, wenn sie ihre Gewaltigen Hörner mit den darunterliegenden Knochenplatten aufeinander prallen lassen.

Aber die Hauptdarsteller sind die Wölfe. Genauer gesagt ein Pack, mit drei Welpen und mehr als 10 ausgewachsenen Tieren. Die Jungtiere sind vielfach bedroht, fremde Wölfe wollen ihnen an den pelzigen Kragen, denn die Welpen von heute sind die Konkurrenz von morgen.

Die Motivation diesen Film zu machen entstammte laut Regisseur den einzig anderen Film, welcher bisher die arktischen Wölfe dokumentiere (aus dem Jahr 1986) und welchen er selbst ganz prima fand, mit moderner Technik und einem ausgefeilten Handlungsstrang zu huldigen. Jahrelang hat die Suche nach Finanzierungsquellen gedauert, bis die Filmcrew schlussendlich per Helikopter nach Ellesmere geflogen wurde. Über zwei Jahre hinweg wurde der Film gedreht. Vom bitterkalten Winter bis hin zum unglaublich, weil doch recht nördlich, heißen Sommer an dem 24 Stunden täglich die Sonne scheint. Sie schlugen ihr Camp 800 Meter vom Wolfshügel entfernt auf und filmten alles per Hand ohne Filmfallen (dies beantwortete der Regisseur auf die Frage eines kleinen Jungen, welcher das Prozedere ganz genau wissen wollte). Schritt für Schritt, Vertrauen um Vertrauen arbeitete sich das Kamerateam bis auf 70 Meter an den Wolfshügel heran. Die Handlung des Films (und ja es gibt eine) entstand nicht durch gutes Schneiden, sondern war live so zu verfolgen wie auf der Leinwand, dies wollte der Regisseur noch gesagt haben.

Was am Ende bleibt ist ein wirklich eindrucksvoller Film mit Humor und Herz. Aber auch mit viel Tod und dem Recht des Stärkeren. Die traurigste Szene vielleicht jene in der eine einsame Wölfin feststellen muss, dass ihr Nest leer ist, ihre Welpen verschwunden und sie nichts anderes tun kann als sich sofort umzudrehen und aus dem Revier des feindlichen Rudels zu fliehen. Gnade, Trauer und Mitgefühl sind eben allesamt menschliche Herzgeburten.

DP

 

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