Kontext PREMIERENTAGE: über SEX im Taxispalais

Sex heißt die neue Exhibition im Taxispalais. Sie ist das zweite Kapitel der Ausstellungstriologie LIEBEN- SEX-LACHEN rund um Alltagspraktiken. Im Zuge der Premierentage fand am Freitag, dem 9.10.2018, ein Gespräch zwischen der Künstlerin Sarah Decristoforo und der Kuratorin Nina Tabassomi statt.

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Sarah Decristoforo PAN-DOOR-AAAAH, 2018 Ausstellungsansicht SEX, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, 2018 Neon-Sound-Installation In Auftrag gegeben von TAXISPALAIS Courtesy Sarah Decristoforo, Foto: Günter Kresser

 

Besprochen wurde Decristoforos Installation PAN-DOOR-AAAAH. Dieses multimediale Gesamtkunstwerk spricht über drei Medien zum Rezipient: Bild, Ton und Text. Als Betrachter*in schaut man auf den leuchtenden Neon-Schriftzug PAN-DOOR-AAAAH, während man über Lautsprecher eine erotisierende Stimme hört. Sie verwebt sprachlich die Geschichten dreier berüchtigter Frauenfiguren: Pandora, Freuds Patientin Dora, und Lolita. Die eine verantwortlich für alles Übel der Welt, die eine Hysterikerin und letztere kindlich-dämonische „Nymphette“. In ihrer Arbeit PAN-DOOR-AAAAH zeigt Sarah Decristoforo eindrucksvoll, dass diese drei Frauen mehr verbindet, als der Mythos der bedrohlichen, weiblichen Sexualität.

Schon allein ihre Namen überschneiden sich. Freuds Patientin hieß eigentlich Ida, lediglich Freud taufte sie Dora. Da sich Freud bekanntermaßen gerne auf die griechische Mythologie bezog, liegt ein Schluss von Dora auf PanDORA nahe. Lolitas Name war in Wirklichkeit Dolores Haze. Humbert, Protagonist des Romans des russisch-amerikanischen Schriftstellers Vladimir Nabokov, gab ihr aber den Namen, LO-LI-TA. In ihrer Schreibweise PAN-DOOR-AAAAH nimmt Decristoforo Bezug auf jene von Humbert, der die einzelnen Silben trennte. Die Künstlerin betont auch die Absurdität der drei Geschichten. Sie erregen ambivalente Emotionen. Erwecken bis heute unsere Neugierde. An diesem Punkt baut die Künstlerin eine Brücke zum Thema der Ausstellung selbst. Auch SEX sei ein sehr komplexes und vielschichtiges Thema, dass uns oft verwirre, aber stets brennend interessiere. Nina Tabassomi spricht in dem Zusammenhang von einem „Korsett des kulturellen Settings“, das wir alle noch heute tragen. Es gelte, diese Konstruktion nicht zu leugnen, sondern genau zu erforschen. Um das zu tun sei ein Blick auf die Pornographie sinnvoll, die „intelligenteste Gesellschaftsanalyse“ so Tabassomi. In früheren Werken hat sich Decristoforo genau diesen Blickwinkel angeeignet. In Pornos sehe man gesellschaftliche Strukturen in verdichteter und radikalisierter Form. Interessant ist, dass die Künstlerin für die vorliegende Ausstellung, die so unmissverständlich und explizit betitelt ist, keine Arbeit zur Pornographie geschaffen hat. Decristoforo meint dazu: „Im Kontext dieser Ausstellung fand ich es besonders interessant so weit in die Tiefe zu gehen. Diese weibliche Geschlechtsidentität aufzurollen und in die Geschichte einzutauchen.“

Am Ende der Installation haucht die unbekannte Stimme dem Zuhörer das Wort HOPE ins Ohr. In dem Moment, als die Interview Partner auf dieses bedeutungsschwere four-letter-word* zu sprechen kommen, hallen von draußen die Kirchenglocken in den Raum. Schöne Ironie.

*Im Englischen sind mit four-letter words zumeist Schimpfwörter gemeint.

 

Wer die Arbeit selbst sehen, fühlen und hören will kann das noch

bis zum 27.1.2019 im Taxispalais.

 

JH

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