AkhtamarII – Eine Vorschau

Das Heart of Noise Festival unter dem MottoDon’t stop the dance!“ wird dieses Jahr im Haus der Musik von einer Oper der besonderen Art eröffnet: „Ahktamar – der  zweitausendjährigen Oper zweiter Teil“. Mit fortschrittlichen Konzepten für Musik sollen klassische, angestaubte Kulturtraditionen aufgefrischt und neu interpretiert werden. Damit passt die Inszenierung der experimentellen Oper perfekt in das Programm des Festivals. Doch was erwartet uns?

 

 

k: Wie kam es zur Idee dieser Oper und wer ist daran beteiligt?

AkhtamarII: Am Anfang war eine Diplomarbeit. Ekehardt Rainalter schrieb 2008 eine Diplomarbeit im Fachgebiet experimentelle Architektur, die aus Szenenskizzen bestand. Daraus haben wir zusammen eine Oper gebastelt, deren erster Teil im Treibhaus uraufgeführt wurde. Damals waren wir noch jung und unerfahren, jetzt haben wir uns alle weiterentwickelt und möchten mit unserem neuen Wissen die erste Oper nachbauen – nur eben besser.

Was das Kollektiv betrifft, sollen bewusst – so weit möglich –  die Menschen beteiligt sein, die auch schon die erste Oper mitgestaltet haben. Wir sind eine bunte Mischung aus Tänzer*innen, Performer*innen, Musiker*innen und Schauspieler*nnen.

k: Was ist euch bei der Konzeption und beim Proben wichtig?

Dass jede*r Teilnehmende selbst mitgestalten und mitentscheiden kann. Jede*r kann seinen oder ihren Text selbst schreiben und alle Biografien sollen miteinfließen. Wir wollen keine klassischen, streng hierarchischen Strukturen und gerade die Oper als hierarchiestarkes, totalitäres Werk soll anders verstanden werden. Außerdem ist weder Dramaturgie noch Inhalt jemals fertig, wir werden bis zur Aufführung jeden Tag etwas ändern – auch am Text. Zudem war uns sehr wichtig, die Oper selbst zu schreiben. Viele sogenannte Subkultur-Inszenierungen kopieren lediglich die Hochkultur in ihrer Arbeitsweise und oft auch im Stoff. Wir denken, es muss alles selbst geschrieben werden, um überhaupt zur Subkultur zu gehören.

k: Worum geht es denn überhaupt?

Es geht um einen Idealstaat. Und es geht um ein Haus, das wegen der starken Strahlenbelastung in den Weltraum katapultiert wurde. In diesem Haus lebt Jim, der ohne seinen Bruder Jack nicht überlebensfähig ist. Jack ist auf der Erde geblieben. Das Kollektiv versucht also, Kontakt zwischen den beiden herzustellen. Als es dabei scheitert, beginnt es, sich nach einem Führer zu sehnen, der durch Christoph Schlingensief eine reale Gestalt bekommen soll. Schlingensief sendet verschlüsselte Botschaften, die aber niemand versteht.  Die These der ersten Oper war, dass niemand eine*n andere*n zu 100% verstehen kann, weil eine originalgetreue Übersetzung sprachlich gar nicht möglich ist. Jede*r sieht die Dinge anders, kommt mit anderen Erfahrungswerten in ein Gespräch. Somit ist alles Narration. Daran wollen wir mit der neuen Oper andocken.

k: Was wollt ihr mit dieser Oper erreichen?

Die Verwirrung des oder der Einzelnen über den Weltzustand, über den eigenen Standpunkt in der und die eigenen Einflüsse auf die Welt soll für das Publikum (und für die Spielenden) deutlich werden. Der Zwiespalt zwischen der Angst vor amoralischem Handeln und dem Wunsch nach Macht ist allgegenwärtig. Dieser soll spürbar gemacht werden. Ein Problem zu erkennen ist wichtiger als dauernd an Lösungen zu denken.

k: Das Machtsymbol von Gebäuden spielt für euch eine große Rolle. Welche Bedeutung haben die Räumlichkeiten für euch, die genutzt werden sollen?

Die Oper wird im Rahmen des Heart of Noise Festivals stattfinden. Es wird am 24. Mai eine Art Probeaufführung im BRUX geben und am 7. Juni die Endaufführung im Haus der Musik. Außerdem wird in der p.m.k die Heart of Noise Platte präsentiert, die diesmal von uns als Kollektiv produziert wurde. Und vor der Aufführung im Haus der Musik wird es am Vorplatz eine Audioinstallation dazu geben. Da wir weg von den herkömmlich subkulturellen Räumen wollen, kommt uns das Haus der Musik als neuer Austragungsort des Festivals sehr gelegen. Es eignet sich sehr gut für das, was wir wollen (zumindest exemplarisch): Eine schrittweise Verdrängung von klassischen Stücken und Musicals durch zeitgenössische, politische Kunst – in den Räumen der Hochkultur. Nur so kann eine neue Hochkultur entstehen. Außerdem sollen unsere Stadtpolitiker*innen daran erinnert werden, dass das Haus der Musik als „offenes Haus“ geplant war, für alle zugänglich. Dieses Versprechen sollte zumindest ansatzweise eingehalten werden – auch wenn das noch mehr Geld kostet.

Wir wollen eine doppelte Niederschwelligkeit mit unserer Oper erzielen: Zum einen sollen auch Leute kommen, die sich keinen gesellschaftlichen Zwängen wie beispielsweise Kleidungsrichtlinien unterwerfen wollen oder können. Zum anderen soll der Inhalt des Stückes sowie die Musik niederschwellig sein – wir sind uns allerdings innerhalb des Kollektivs uneins, ob uns Letzteres tatsächlich gelingt.

Eine barrierefreie Klassik ist das Fernziel.

Vielen Dank für den Einblick in eure Arbeit! Wir freuen uns auf alles, was kommen mag!

SC

Das Gespräch führten Ekehardt Rainalter, Michaela Senn, Marco Opoku, Lukas Ladner und Sarah Caliciotti.

 

Links/Termine:

Facebook: Akhtamar – Der zweitausendjährigen Oper zweiter Teil
Auftaktveranstaltung
: Akhtamar II – Der Insel ihre Zukunft, 24.5.2019, 20 Uhr, BRUX
Präsentation HoN Vinyl Edition 07: AkhtamarII – Die LP, 25.5.2019, 21 Uhr, p.m.k
Aufführung HoN Festival: Akhtamar II – 7.6.2019, 21 Uhr, Haus der Musik

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