kompost #7 [J. v. Ochsenstein, R. Eisele]

Lyrik von hohen Gebirgszügen zu den Tiefen des Meeres – in kompost #7 nehmen uns Jutta v. Ochsenstein und Raoul Eisele mit auf eine hügelige, wortgewandte Expedition.

Unruhe aus den Karpaten

von Jutta v. Ochsenstein, 2020

als ob die Worte hier verloren gingen

selbst das Wort Leaota-Berge

oder Schreiadler

so still

besser ist es zu schweigen

der Mann schenkt uns

Schnaps nach

seit Generationen

neben eingelegten Gurken

ein Kofferraum voller Vergangenheit

zeitlos die freilaufenden Hühner

Utopie ist ein aufdringliches Wort

Zäune schützen vor Wölfen

der Wald ist schwer

von Mythen und Kahlschlag

vom Wissen: Bären leben auch ohne Menschen

Tidewrack

von Raoul Eisele, 2021

ahme nach, opice

von Raoul Eisele, 2021

heute flockt es ein wenig von Decken, ein wenig

Verputz und das Rieseln der Wände, dieser

staubige Duft nach Kindheit und wie wir immer

an Baustellen spielten, über Zäune und Absperrungen

hinweg, so als wären wir affig, suburbianapes, die

auf schütteren Stellen der Wiesen, bloß betonierten

Wegen sich bewegten und manchmal spazierten

wir auf Mauern, Gemäuer ummauerter Schrein

erinnere mich ans Augenreiben, wie die Tage

auf Baustellenschutt wie am Spitz des Kilimandscharo

sandwirbelnd unter Lider gebannt und das unter Wasser

gehaltene Gefühl, sehe Adern in Augen wie Flüsse

geplatzt, wie die dunklen Risse im Mauerwerk; streife

darüber und höre es pochen, höre es fallen

            wie ein Schlag auf die Brust und

               ein Bröckeln von Fassadenfarben her


KURZBIOS

Jutta v. Ochsenstein

*1960 in Nordhessen, Studium der Germanistik und Romanistik u.a., politische Friedensarbeit, tätig als Pädagogin und Autorin. Veröffentlicht Lyrik in Literatur-Zeitschriften, Anthologien, auf Lesungen, sowie eine französische Übersetzung von Lyrik und Prosa Georg Trakls gemeinsam mit E. Hupel (Verlag Voix d‘encre 2018 + 2020).

www.juttav-ochsenstein.jimdo.com // @juttavonochsenstein

Raoul Eisele

debütierte 2017 mit seinem Lyrikband morgen glätten wir träume, edition yara. 2021 erschien sein zweiter Band einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt, Schiler & Mücke. 2021 wurde sein Jugendstück in einem Land ohne im WUK Wien uraufgeführt und sein Hörbild immer wenn ich falle: Klippenspringerin feierte beim Hörspielsommer Leipzig Premiere. Sein Hörbild innerlich treiben wir es // wesentlich bunter erschien auf Ö1.

www.raouleisele.com // @breakoutofhead

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